Aus dem Gemeindebrief August – Oktober 2016

Vollbildaufzeichnung 22.07.2016 082358

Gott spricht: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“  

Jeremia 31,3

 

Diese Botschaft ließ Gott seinem Volk Israel nach der großen Katastrophe der babylonischen Gefangenschaft sagen. Dorthin war das Volk für etwa 70 Jahre verbannt worden, fernab seines Landes und der Hauptstadt Jerusalem, weil es nicht auf Gott gehört und seinen Geboten ungehorsam gewesen war. Sie erfuhren Gottes Gericht – aber sie hörten nun neu: Gottes Liebe hat sie nicht verlassen, „je und je“ hat er sein Volk geliebt. Das machte Mut, ließ neu aufatmen und nach vorne blicken.

Einen solchen Vers dürfen wir auch persönlich nehmen, auf uns beziehen. Mancher hat ihn als Konfirmationsspruch, mancher als Taufspruch, wie z.B. einmal eine Schülerin der 3. Klasse, die ihn freudestrahlend vorlas, als wir über die Taufe sprachen. Gottes Liebe, die größte Macht der Welt, gilt uns allen! Sie ist von Anfang der Welt und unseres Lebens da. Sie kann und will uns verändern. Diese Liebe ist nicht eine „anonyme“ Liebe, sondern trägt einen Namen: Jesus. In Jesus war Gottes Liebe hautnah zu erleben. Was Jesus sagte und was er tat, war Liebe. Aus Liebe lebte und starb er, um uns zu Gott zurückzubringen. Gott hat das Kostbarste gegeben, seinen eigenen Sohn, um uns „zurückzulieben“ zu sich. Er „zieht“ uns Menschen aus lauter Güte, von ihm geht die Initiative aus. Auf diese Liebe Gottes, auf sein Ja zu uns, dürfen wir antworten mit unserem eigenen Ja zu ihm. Getragen von dieser Liebe kommen wir unserer Lebensbestimmung nach.

Bei Ebbe, wenn die Wasser sich verlaufen haben, kann man sie liegen sehen: Fischerboote. Schräg liegen sie auf dem Wattenmeer, schief und untüchtig, als könnten sie nicht mehr. Schiffe, für frohe Fahrt und großen Fang gebaut, liegen fest und unfähig im Schlick. – Aber dann kommt die Flut. Kleine Wellen umspielen das Boot. Die Wasser werden höher, die Wellen kräftiger. Plötzlich hebt sich das massige Schiff von der Erde und schaukelt auf dem Meer. Es fährt wieder seiner Bestimmung gemäß hinaus aufs Meer.

Ein wunderbares Bild für unser Leben. Wie oft kommt nach der Flut von Glück und Liebe, nach Wellen der Freude und des Überschwangs die Ebbe. Alles wird leer und trocken, unser Lebensschiff liegt auf der Erde. Alles ist schwer und gedrückt. Es kommt uns vor, als hätten wir unsere Bestimmung verloren. Von unheimlichen Kräften werden wir nach unten gezogen. – Und dann kommt die Flut der Liebe Gottes. Seine Barmherzigkeit umgibt unser Lebensschiff, es löst sich von der Erde, hebt sich und gewinnt neue Fahrt. Gottes Liebe ist stark wie die Meeresflut. Sie hebt und trägt unser Leben durch das Meer der Zeit.

Wir Menschen sind nicht dazu gemacht, auf Grund zu liegen, im Dreck der Erde festzusitzen. Unser Leben hat ein Ziel, wir sollen ausfahren auf frohe Fahrt und großen Fang. Gottes Liebe ist die Flut, die uns nach einer Ebbe wieder hebt und trägt und uns dieses Ziel, diese Bestimmung erreichen lässt.

 

Diese Erfahrung der Liebe Gottes wünsche ich Ihnen, liebe Gemeindeglieder!

 

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Hans Weghorn