Aus dem Gemeindebrief Mai-Juli 2016

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„Meine Stärke und  mein Lied ist der HERR,

er ist für mich zum Retter geworden.“ 

(2. Mose 15,2; Monatsspruch Juni 2016)

 Die Bibel erzählt, dass Mose und das Volk Israel Gott lobte, nachdem er es am Schilfmeer vor den Feinden gerettet hatte. Diese Befreiung war und ist so etwas wie ein Urdatum des Volkes Israel, das man niemals vergessen wird. Gott hat sein Volk aus der Knechtschaft befreit und dann in das verheißene Land geführt, ans Ziel gebracht. Die Bibel spricht von einem Gott, den seine Menschen erfahren können.

Jahrhunderte später haben Menschen aus dem Volk Israel und dann Menschen aus allen Völkern erfahren: Gott rettet auch aus der abgrundtiefsten Not, er befreit von dem, was alle Menschen nach unten zieht und kaputtmachen will. Gott ist der Retter, der seine Menschheit aus dem Verderben von Sünde und Tod herausholt. Ja, er kam in seinem Sohn Jesus selber zu uns Menschen, hinein in unsere Not. Er nahm sogar unsere Schuld und unseren Tod auf sich, als Jesus am Kreuz hing und sein Leben gab. Und weil Jesus nicht im Tod blieb, darum gilt: „Gott ist für mich zum Retter geworden.“ Durch Jesus verbürgt sich Gott dafür, denn der Name „Jesus“ bedeutet: „Gott rettet, Gott hilft“. Immer wieder erlebten und erleben es Menschen, dass Gott sie nicht allein lässt, sondern eingreift und ihnen neue Kraft gibt. So sagte einmal ein Mann, der in seinem Leben viel falsch gemacht hatte und sehr unter seiner Schuld litt, einige Tage nach einem persönlichen Gespräch, in dem er die Vergebung seiner Schuld erfahren hatte: „Jetzt lebe ich erst wirklich! Stellen Sie sich vor, ich konnte seit Jahren das erste Mal wieder richtig durchschlafen!“

Am Ende meines Studiums wohnte ich in Erlangen Wand an Wand mit einem Studienfreund im Hinterhaus eines Anwesens im ersten Stock. An einem sonnigen Sommertag wollten wir, vom Hof kommend, in sein Zimmer gehen, als wir hinter der angelehnten Tür ein ängstliches Piepsen hörten. Wir sahen nach: Ein Vogel, nämlich ein Spatz, hatte sich hinter der angelehnten Tür verfangen und kam nicht mehr heraus. Mein Freund holte den verängstigten Vogel aus seinem Gefängnis. Im Hof blinzelte der Spatz, immer noch kurzzeitig auf der Handfläche meines Freundes sitzend, in die Sonne, erhob dann seine Flügel und flog aufs Dach – und dort zwitscherte er nun ein fröhliches Lied.

Das ist mir zum Bild geworden: Wie dieser Vogel verfangen wir uns manchmal, wir sitzen fest und wissen nicht weiter. Aber Gott, der Herr, hört uns, er ist stark und rettet uns. Aus der Enge in die Freiheit, aus dem Dunkel ins Licht holt er seine Leute, ja, am Schluss einmal aus dem Tod ins ewige Leben. Wie der befreite Vogel wieder fröhlich singen konnte, so kann auch der Mensch, der Gottes Hilfe erfahren hat, dankbar bezeugen: „Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist für mich zum Retter geworden.“ Diese Erfahrung der Hilfe und Nähe Gottes wünsche ich Ihnen, liebe Gemeindeglieder, und mir selber immer wieder neu.

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Hans Weghorn