Aus dem Gemeindebrief Mai-Juli

„Er ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit.

Sein Reich geht niemals unter;

seine Herrschaft hat kein Ende.“ (Daniel 6,27)

 

„Gott ist tot. Nietzsche“ war an einer Häuserwand in einer Stadt zu lesen. Der Schreiber hatte ein bekanntes Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche aus dem 19. Jahrhundert aufgenommen, der Gott für tot erklärt hatte, weil wir Menschen ihn getötet hätten und weil er keine Bedeutung mehr habe in unserem Leben. Das Pikante daran: Nietzsche war selber Pfarrerssohn, hatte aber den Glauben seiner Väter verloren und verworfen. – Nach einigen Tagen fand man unter dem Zitat von Nietzsche an der gleichen Häuserwand ein ähnliches, aber mit ganz anderem Inhalt. Da war nämlich zu lesen: „Nietzsche ist tot. Gott“!

Das stimmt: Friedrich Nietzsche starb im Jahr 1900, und zwar geistig umnachtet. Aber der Gott, den er, und nicht nur er, für tot erklärt hat, ist am Leben. Wir glauben nicht an einen toten Gott, sondern an den lebendigen Gott. Schon zu Zeiten des Propheten Daniel haben das Menschen erkannt und bekannt, sogar der große König Darius, dessen Herrschaft riesig war. Er spricht aus: „Sein (Gottes) Reich geht niemals unter; seine Herrschaft hat kein Ende.“ Die menschlichen Reiche und Herrschaften haben ein Ende gefunden: Denken wir nur an das Römische Reich, das viele Jahrhunderte dauerte, oder an die Schreckensherrschaft des Sowjetreichs (70 Jahre) und des Nationalsozialismus (1933-1945). Sie alle und viele andere entfalteten ungeheure Macht und gingen über Leichen – aber Gottes Reich hat sie überdauert. Gott aber geht in seiner Herrschaft nicht über Leichen. Im Gegenteil: Um sein Reich zu uns zu bringen, hat er in Jesus am Kreuz den Tod auf sich genommen. Es stimmt: Wir Menschen haben Gott getötet. Aber Jesus blieb nicht im Grab, sondern hat den Tod überwunden. Er herrscht jetzt, wenn auch verborgen, und wird einmal in Herrlichkeit kommen. So konnte der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann, der ein bekennender Christ war, sagen: „Die Herren dieser Welt gehen; unser Herr kommt.“

Die Herrschaft Gottes will sich in unserem Leben erweisen. Die Grundfrage ist: Wer ist der Herr in meinem Leben?  Bin ich es selber, sind es andere – oder ist es Gott und Jesus? Wer sein Leben bewusst in die Hand von Jesus Christus legt und ihm die Herrschaft über sein Leben einräumt, der erfährt: Gott ist lebendig, mit ihm kann ich meine ganze Not besprechen, er gibt mir Mut und Hoffnung. Krankheiten, Niederlagen, Beschwernisse sind real – aber Gott ist stärker, er kann helfen und verändern. Selbst der Tod übt nicht die letzte Herrschaft aus, weil Jesus ihn überwunden hat. Wer ihm vertraut,  geht an seiner Seite der neuen Welt Gottes entgegen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Gemeindeglieder, die tiefe innere Gewissheit: Da ist der lebendige Gott, dem ich mich anvertraut habe. Er hat alles in seiner guten Hand. „Sein Reich geht niemals unter; seine Herrschaft hat kein Ende.“

 

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Hans Weghorn