Predigt am Sonntag, 29.03.2020

Predigt für den Sonntag Judica 29.3.2020

Predigttext: Hebräer 13,12-14:

12 Jesus ist außerhalb der Stadt gestorben, um durch sein Blut das Volk von aller Schuld zu reinigen.
13 Also lasst uns zu ihm vor das Lager hinausgehen und die Schande mit ihm teilen.
14 Denn auf der Erde gibt es keine Stadt, in der wir bleiben können. Wir sind unterwegs zu der Stadt, die kommen wird.

Liebe Gemeinde,

es ist alles anders geworden in den letzten Wochen und Tagen. „Corona“ hat uns fest im Griff. Täglich hören wir von der steigenden Zahl der Infizierten und der durch das Virus bedingten Todesfälle. Wir wissen nicht, wie lange die Pandemie anhält. Das öffentliche Leben ist eingeschränkt. Menschen, die sich infiziert haben, leben in Quarantäne. Wir dürfen oft nicht einmal mehr unsere engsten Angehörigen besuchen wegen der Ansteckungsgefahr. Gerade ältere Menschen, die allein leben, trifft das hart. Ich denke auch an die Menschen, die bei uns im Lämmerzahlstift leben und auf Besuche verzichten müssen. Soziale Kontakte sind ja für unser Leben so wichtig. Gut, dass es das Telefon und andere moderne Kommunikationsmittel gibt, so dass man wenigstens auf diese Weise miteinander Kontakt halten kann. Es kann freilich die persönliche Begegnung nur ein bisschen ersetzen. So fühlen sich viele isoliert und hoffen, dass bald wieder die Normalität einkehrt.

Von einem, der völlig isoliert war, redet unser heutiger Predigttext. Die Rede ist von Jesus: Er ist „außerhalb der Stadt gestorben“. In diesem einen Satz ist die ganze Passionsgeschichte zusammengefasst.Wir sehen das vor unserem inneren Auge: Jesus wird durch das Stadttor hinausgeführt zur Schädelstätte namens Golgatha, zum Galgen. Die Kreuzigung durfte ja nicht innerhalb der Stadtmauer vollzogen werden. – Draußen war sein Platz, wo man sonst die wirklichen Verbrecher hingerichtet hat. Dort hat Jesus sein irdisches Ende gefunden. Er war verlassen von den Menschen und von seinem Gott, dem er vertraut hat.

Jesus hat gelitten draußen vor der Stadt. Als Verbrecher hingerichtet, ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Menschen. So wie man in Israel die besonders Verfluchten außerhalb des Lagers brachte. Schlimmer konnte es nicht kommen.

Das ist das, was alle, die dabei waren, mit ihren Augen und Ohren wahrnehmen konnten. Aber die Bibel und der Hebräer-Brief zeigen uns, wozu das geschah: Das war kein „Scheitern“, das war nicht das unrühmliche Ende eines edlen Menschen, der das Gute wollte und damit leider nicht durchdrang. Nein, es hatte ein Ziel: „um durch sein Blut das Volk von aller Schuld zu reinigen.“ Die Bibel sagt: Hier hat sich der einzig Schuldlose geopfert für die Schuld der Menschheit, hat für uns Sühne geleistet, uns mit Gott versöhnt.

Darf ich es mit einem Bild aus dem aktuellen Geschehen unserer Tage sagen: Das Corona-Virus kann zum Tod führen. Der Name „Corona“ (Latein) leitet sich von der Bauart des Virus ab und bedeutet “Krone“. Wie gut, wenn wir vor Ansteckung bewahrt geblieben sind! Doch es gibt ein Virus, das bereits alle Menschen infiziert hat und für alle tödlich ist: das Virus der Sünde, der Abwendung von Gott. Weil der Mensch sich von seinem Schöpfer und Gott getrennt hat, ist unsere Welt durch das Sünde-Virus infiziert. Da hilft keine Beschönigung: „Wir sind doch keine Sünder.“ Da hilft es nichts, wenn man versucht, anständig durchs Leben zu gehen. Da kann nur der helfen, der am Kreuz die Dornen-Krone (-Corona) auf dem Kopf trug: Jesus hat sich stellvertretend für uns alle mit dem tödlichen Virus der Sünde infiziert und es durch seinen Tod am Kreuz besiegt.

Egal welches Land zuerst den Impfstoff gegen das Corona-Virus herstellt – der „Impfstoff“ gegen das Sünde-Virus kommt aus Israel und steht seit rund 2000 Jahren zur Verfügung: das Blut von Jesus, wie unser Text sagt. „Für dich vergossen“, heißt es beim Abendmahl. Wir müssen uns, im Bild gesprochen, nur „impfen“ lassen: eingestehen, dass wir ohne Jesus “krank“ sind, und seine Liebe annehmen, Ja sagen zu ihm als dem Herrn unseres Lebens. Dann werden wir in Gottes Augen heil und unser Leben hat Zukunft.

Und das bedeutet auch, dass wir uns zu Jesus Christus bekennen, zu ihm stellen. Auch wenn es unbequem ist, wenn man vielleicht wegen seines Glaubens an Jesus belächelt oder gar ausgegrenzt wird. Es heißt hier (Vers 13): „Lasst uns zu ihm (Jesus) vor das Lager hinausgehen und die Schande mit ihm teilen.“ Ich denke an viele Christen in Ländern, wo der Glaube an Jesus Unterdrückung, ja Verfolgung nach sich zieht, an Christen, die nicht aufgeben und ihrem Herrn treu bleiben.

Zurzeit wird fast nur noch von „Corona“ geredet; das ist verständlich. Aber reden wir als Christen doch auch und gerade jetzt von Gott und von Jesus, der Herr über alles ist und Mut und Hoffnung gibt. Bekennen wir uns zu ihm!

„Hinausgehen“:Das kann auch bedeuten: hin zu denen, die jetzt schwer unter der Corona-Krise leiden. Ihnen Mut und Hoffnung machen. Auch wenn wir bis auf weiteres nicht zu ihnen hineingehen dürfen in ihre Kranken- und Pflegeheimzimmer, in ihre Wohnungen, Häuser und Geschäfte – wir können doch einen Anruf machen, wir können ihnen ein gutes Wort weitergeben und sie mit dem Lebensnotwendigen versorgen.

Die ersten Christen im Römischen Reich erlebten viele Epidemien mit. Sie redeten nicht nur, sondern sie gaben die Liebe Gottes, die sie erfahren hatten, weiter: Sie halfen praktisch, pflegten Kranke und kümmerten sich um Vereinsamte. Nicht wenige von ihnen wurden dabei angesteckt und kamen ums Leben. Doch sie hatten eine Hoffnung, die über dieses irdische Leben hinausreicht. Eine Hoffnung, die auch wir haben können.

Diese Hoffnung wird im letzten Vers unseres Textes angesprochen: „Denn auf der Erde gibt es keine Stadt, in der wir bleiben können. Wir sind unterwegs zu der Stadt, die kommen wird.“

Christen sind Menschen, die unterwegs sind. Ihr letztes Ziel liegt nicht in dieser Welt. Wie viele Städte wurden im zweiten Weltkrieg zerstört; denken wir nur an Nürnberg. Und denken wir an die vielen Flüchtlinge aus Syrien, deren Häuser und Existenzgrundlagen vernichtet wurden.

Es ist grausam, wenn in unseren Tagen ältere und auch jüngere Menschen durch das Corona-Virus sterben. Wenn man dadurch einen nahen Angehörigen und Freund verliert.

Doch täuschen wir uns nicht: Irgendwann müssen wir alle einmal gehen, ob nach längerer Krankheitszeit oder überraschend schnell. Irgendwann gilt für jeden von uns: Ich kann nicht bleiben auf dieser Erde. „Auf der Erde gibt es keine Stadt, in der ich bleiben kann.“

Wie gut, dann die Hoffnung zu haben, die der Hebräerbrief und das ganze Neue Testament ausdrückt. Die Hoffnung auf die „Stadt Gottes“, auf die ewige Gemeinschaft mit Gott. Durch Jesus, der den Tod überwunden hat, sind die Türen zu dieser Stadt für uns offen. Wer Jesus in diesem Leben vertraut, darf einmal ewig in der Gemeinschaft mit Gott leben. Mit ihm, mit Jesus, sind wir unterwegs zu seinem großen Ziel.

Das lässt die Probleme des Lebens und auch die jetzige Pandemie nicht gleich verschwinden. Aber es gibt den richtigen Blick, bringt uns dazu, nach vorne orientiert zu leben, auf das Wesentliche konzentriert. Unser eigentliches Heim ist nicht hier. Wir sind unterwegs auf ein großes Ziel zu.

Früher wurde beim Klang der Abendglocke oft aus dem Abendlied von Gerhard Tersteegen gebetet:

„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern/ zur großen Ewigkeit./ O Ewigkeit, so schöne,/ mein Herz an dich gewöhne,/ mein Heim ist nicht in dieser Zeit.“

Vielleicht ist das eine Anregung für uns. Unsere Abendglocken läuten um 18 Uhr. Stimmen wir doch ein und singen oder sprechen diese Gebetsworte, richten wir uns aus auf das Ziel, das wir durch den Glauben an Jesus haben.

Liebe Gemeinde, es ist alles anders geworden in den letzten Tagen und Wochen. Wir wissen nicht, wie lange das alles anhält und was noch alles auf uns zukommt. Aber wenn wir Jesus vertrauen, kennen wir das Ziel: die ewige Heimat bei Gott. Und auf diesem Weg sind wir nicht allein. Jesus, der auferstandene Gekreuzigte, ist bei uns mit seiner Zusage: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch Nr. 391,1-4: Jesu, geh voran

Gebet:
Herr Jesus Christus, du gabst dein Leben in den Tod. Noch im Sterben suchtest du die Verlorenen. Du gibst niemanden auf, auch niemanden von uns. Öffne unsere Herzen für dein Erbarmen und lass uns den Weg mit dir gehen.

Dir befehlen wir unsere Welt in ihren Nöten und Zerrissenheiten. Stelle dich dem Hass, der Feindschaft und der Ungerechtigkeit entgegen. Gib Gelingen bei allen Versuchen, die auf Entspannung, Versöhnung und Frieden zielen.

Sei bei deiner verfolgten Gemeinde und lass sie am Bekenntnis zu dir festhalten.

Erbarme dich über die Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind, und über ihre Angehörigen und Freunde. Hilf, dass die weitere Ausbreitung des Virus aufgehalten wird. Lass Einsame erfahren, wie Menschen sich ihnen auch in der jetzigen Situation zuwenden und ihnen Mut und Trost geben. Sei bei allen Ärzten und Pflegekräften und gib ihnen Kraft für ihren verantwortungsvollen Dienst. Hilf, dass ein wirksamer Impfstoff und Medikamente entwickelt werden, die zur Heilung beitragen. Gib den Politikern und Verantwortungsträgern Weisheit für die richtigen Entscheidungen. Lass uns besonnen mit den nun angeordneten Einschränkungen des öffentlichen Lebens umgehen.

Wir danken dir, dass du ein ewiges Ziel für uns bereit hast. Öffne unsere Augen für dein Werk und lass uns deinen guten Weg gehen, bis wir zu dir gelangen in deine neue Welt, in der dein Name geheiligt wird und dein Wille geschieht. Amen.

Vaterunser

Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
So segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Zeit.

Ihre Kirchengemeinde

2 Gedanken zu „Predigt am Sonntag, 29.03.2020

  1. danke Hans -danke an das Team–dass die Kirche tagsüber offen bleibt.
    Beten zur Besinnung kommen-in die Stille gehen–Gott-Jeus ganz nahe sein–mit meinen Anliegen–die ich in der Stille bringen kann.
    Das Andachtsblatt ist ist der richtige Impuls–ich wünsche Euch Gesundheit
    und Gottes Segen–liebe Grüße– Lucia —-Kersbach—–

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