Predigt am Karfreitag, 10.04.2020

Predigttext: 2. Korinther 5,19-21     
19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Liebe Gemeinde,

um Versöhnung geht es in unserem heutigen Abschnitt. Wir kennen das aus unserem Alltag: Da hat man sich mit jemandem gestritten. In einem wichtigen Punkt hat es „gekracht“. Man geht sich aus dem Weg. Und doch hängt man aneinander. Und so geht man doch wieder aufeinander zu und sucht die Versöhnung. Gut, wenn es so ist in der Familie, in der Nachbarschaft, ja, auch in einer Kirchengemeinde. Leider bleiben Menschen oft unversöhnt. Gut, wenn Völker, die über lange Zeit miteinander im Krieg waren, sich versöhnen, wie das nach dem 2. Weltkrieg zwischen Deutschland und Frankreich, den beiden „Erzfeinden“, war. Wenn Normalität in der Beziehung herrscht und man einander in die Augen schauen kann.

Nun spricht unser heutiger Text von einer Versöhnung, die schon geschehen ist, die gültig ist: für alle, für die ganze Welt; eine Versöhnung, die ergriffen werden will: Gottes Versöhnung für diese Welt.

Das setzt voraus, dass die Welt, dass wir Menschen von uns aus mit Gott nicht im Reinen sind, nicht versöhnt leben. Und so zeigt es uns die Bibel schon auf ihren ersten Seiten. Denken wir an die Geschichte von „Adam und Eva“: Der Mensch, der von Gott geschaffen ist und in der Beziehung zu ihm leben soll, misstraut seinem Schöpfer und isst von der verbotenen Frucht. Als Konsequenz wird er aus dem Paradies, aus der Gemeinschaft mit Gott verstoßen. Die Beziehung zu Gott ist gestört. Die Bibel nennt das „Sünde“. Der Mensch ist un-versöhnt: mit Gott; aber als Folge dessen auch mit anderen Menschen: Da kommt es gleich im nächsten Kapitel der Bibel zum Mord des Kain an seinem Bruder Abel. Der Mensch lebt unversöhnt mit seinesgleichen, mit der Schöpfung, ja, mit sich selber.

Das haben die Menschen auch gespürt und versucht, Gott oder die Götter durch Opfer und sonstige Leistungen gnädig zu stimmen, was aber zum Scheitern verurteilt ist.

Unser Bibelabschnitt sagt dagegen sehr deutlich: Das Evangelium redet von dem, was Gott getan hat. “Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ (Vers 19) Wie wunderbar, wie befreiend! Gott hat schon alles getan; nicht wir müssen „Opfer“ bringen, sondern Gott hat schon das größte Opfer gebracht, als sein eigener Sohn Jesus am Kreuz sein Leben für uns gab. Der einzig Unschuldige, der einzige, der ohne Sünde war, Jesus, in dem Gott war. Ja, Jesus wurde nicht nur zum Sünder, sondern zur Sünde gemacht (Vers 21): Er war völlig von Gott getrennt, als er am Kreuz hing, denn Sünde ist Trennung von Gott. Darum rief Jesus am Kreuz aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Keine Bosheit, keine Sünde ist groß genug, dass sie nicht auf Jesus Christus liegt. In ihm ist alle Niedertracht aller Zeiten zusammengefasst. Martin Luther beschreibt dieses stellvertretende Tragen aller menschlichen Schuld sehr treffend, wenn er den Gekreuzigten als größten Räuber, Mörder, Ehebrecher, Dieb, Tempelschänder und Lästerer bezeichnet, der durch keinen Verbrecher in der Welt übertroffen wird. Denn, so Luther wörtlich. „Gott sandte seinen Sohn in die Welt und warf auf ihn unser aller Sünden und sprach zu ihm: Du sollst Petrus sein, jener Verleugner, du sollst Paulus sein, jener Verfolger, Lästerer und Gewaltmensch, du sollst David sein, jener Ehebrecher, du sollst jener Sünder sein, der die Frucht im Paradies aß, jener Räuber am Kreuz, in summa: Du sollst aller Menschen Person sein und sollst aller Menschen Sünde getan haben.“

Die Versöhnung ist Gottes Tat. Er gibt sich selbst, seinen Sohn, das Allerliebste hin: für uns, uns zugut: „damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (Vers 12)

Diese Versöhnung Gottes fordert unsere Antwort. Diese Versöhnung gilt es anzunehmen. So wie wir auch bei einer Versöhnung unter Menschen in die dargereichte Hand einschlagen, die der andere uns hinhält. So schreibt Paulus in Vers 20: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (Wir könnten auch übersetzen: „Werdet versöhnt mit Gott.“)

Das geschieht, wo wir ehrlich werden vor Gott und eingestehen, dass wir unser Leben auf eigene Faust gelebt haben; dass Gott zwar vorkam, aber nur am Rand. Dass uns die Beziehung zu ihm nicht wichtig war. Das geschieht, wo wir unsere Schuld, unsere Fehler und unser Versagen, das, was uns von Gott und von unseren Mitmenschen trennt, bekennen und Gott um Vergebung bitten. Wo wir unser Leben in die Hand des Versöhners Jesus Christus legen, der einen Anspruch auf uns hat.

In einem afrikanischen Dorf hat sich einmal das Folgende ereignet: Ein Feuer verwüstete eine Hütte. Es brannte schnell und tötete mit einer Ausnahme die ganze Familie. Man hatte einen Fremden in das brennende Haus rennen sehen. Der riss einen kleinen Jungen aus den Flammen, trug ihn in Sicherheit und verschwand dann in der Dunkelheit.

Am nächsten Tag kam der Stamm zusammen, um zu entscheiden, was mit dem kleinen Burschen geschehen sollte. Man dachte, es müsse sich hier um ein besonderes Kind handeln, da es das Feuer überlebt habe. Ein weiser Mann bestand darauf, den Jungen zu adoptieren; ein Reicher dachte er sei besser für diese Aufgabe qualifiziert. Als sich eine heftige Diskussion ergab, trat ein junger, unbekannter Mann in die Mitte des Kreises und bestand darauf, einen vorrangigen Anspruch auf das Kind zu haben. Dann zeigte er den Anwesenden seine Hände, die er sich in dem Feuer der vorangegangenen Nacht verbrannt hatte. Er war der Retter und bestand deshalb darauf, dass das Kind rechtmäßig ihm gehöre.

Genauso erhebt der Retter Jesus Christus seinen Anspruch auf uns. Seine Wundmale weisen ihn in alle Ewigkeit als den aus, der am Kreuz für unsere Schuld starb. Ein Gott mit Wunden! Wo hätte man das sonst schon einmal gesehen? Brauchen wir noch mehr Beweise für seine Liebe, die ihn wegen uns ans Kreuz brachte? – Aber im Unterschied zu dem kleinen Jungen in Afrika muss jeder persönlich „Ja“ sagen zu diesem Retter und wird so mit Gott versöhnt.

Und schließlich: Wer Gottes Versöhnung erfahren hat, der wird das nicht für sich behalten, sondern wird zum “Botschafter an Christi statt“ (Vers 20). Wer Gottes Tat der Versöhnung erlebt und die Antwort gegeben hat, der gibt das weiter. Dann ist es uns ein inneres Anliegen, auf Jesus hinzuweisen. Ja, dann tut uns das Herz weh, wenn wir sehen, wie viele Menschen unversöhnt mit Gott leben. Dann suchen wir mit anderen zusammen und mit den Gaben, die uns gegeben sind, nach Wegen, die Menschen für Jesus zu erreichen. Wir tun es nicht „von oben herab“, sondern als Bittende: „So bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott

Liebe Gemeinde, wir wollen heute am Karfreitag neu dankbar werden für das, was am Kreuz geschehen ist: dass Gott die Welt durch Jesus mit sich versöhnt hat. Dass wir als Versöhnte mit Gott und miteinander leben können. „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch Nr. 93,1-4: Nun gehören unsre Herzen

Gebet:
Herr Jesus Christus, durch dein Leiden und Sterben sind wir mit Gott, dem Vater, versöhnt. Unsere Schuld hast du am Kreuz auf dich genommen.

Wir bitten dich, dass wir das Heil annehmen, das du für uns erworben hast. Schenke uns Vertrauen in deine Versöhnungstat und gib uns die frohe Gewissheit, dass du Frieden gemacht hast zwischen Gott und uns Menschen.

Wir bitten dich für deine Gemeinde, dass sie aus dem Wort der Versöhnung lebt und deine Einladung zur Versöhnung bezeugt. Sende deine Boten in die Welt und gib ihnen Vollmacht zur Verkündigung des Evangeliums von der Erlösung.

Wir bitten dich um den Geist der Versöhnung in Staat, Gesellschaft und Familie. Fördere die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und Streitigkeiten zu beenden. Löse Verstrickungen und lass schwelende Konflikte beigelegt werden. Bereinige die vergifteten Lebensverhältnisse.

Wir bitten dich für die Kranken, besonders für die vom Corona-Virus Infizierten, und für alle, die ihnen beistehen, um Heilung, Kraft und Hoffnung. Sei bei denen, die dem Tod ins Angesicht sehen, und bei allen, die einen lieben Menschen verloren haben. Umgib sie mit deinem Trost und der Hoffnung auf das ewige Leben, das du schenkst. Lass uns alle aus der tiefen Gewissheit leben, dass unser Leben und unsere Zukunft in deiner guten Hand liegt.

So beten wir in deinem Namen:

Vaterunser

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

Liebe Gemeindeglieder,

einen gesegneten Karfreitag und ein frohes Osterfest wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Hans Weghorn

Hier noch eine Information: Vor und nach Ostern sind Stationen zu Leiden und Auferstehung Jesu in unserer Kirche aufgebaut. Die neue Osterkerze wird am Ostersonntag entzündet und brennt an den Osterfeiertagen. Sie dürfen sich gerne eine Kerze daran anzünden und mitnehmen, ebenso Ostereier. Für Kinder sind auch Ostereier vor der Kirche versteckt.