Predigt am Sonntag Oculi 07.03.2021

Predigt zu Epheser 5,1-8

1 Sofolgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.

3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört.

4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.

5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.

6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.

7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen.

8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Liebe Gemeinde,

vielleicht haben Sie das so oder ähnlich auch schon mal erlebt bei Ihren Kindern oder Enkeln: Da kommt der 5jährige mit Schraubenzieher, Schraubenschlüssel und Flickzeug zu seinem Kinderfahrrad und macht sich ans „Reparieren“. Natürlich kann er‘ s noch nicht, aber auf die Frage, warum er das tue und ob überhaupt was kaputt sei, antwortet er: „Mein Papa kann das, und ich mach‘ s jetzt auch.“ Oder: Die 3jährige Tochter sitzt am Schreibtisch des Vaters und „arbeitet“: Sie „liest“ in einem Buch (das sie natürlich verkehrt herum hält) und „schreibt“ auf einen Zettel Notizen.

Kinder ahmen Erwachsene nach, folgen automatisch dem Beispiel ihrer Eltern und Bezugspersonen: im Guten wie im weniger Guten. Kinder brauchen Vorbilder, Beispiele, denen sie nacheifern können, und so lernen sie dazu und entwickeln sich. – Eine pädagogische Weisheit sagt: Bis zum Alter von etwa 12 Jahren tun Kinder, was die Eltern sagen. Danach aber machen sie, was die Eltern tun (!). Wir kennen ja den Satz: „Wie der Vater, so der Sohn.“ (Oder: „Wie die Mutter, so die Tochter.“) Das Vorbild der Eltern prägt für ein Leben.

Nun schreibt Paulus im 1. Vers unseres Textes: „So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder.“ Eigentlich heißt es: „Ahmt Gott nach…“ Das griechische Wort, das im Urtext steht, hängt zusammen mit dem Wort „Mime“, sozusagen: „Seid Gottes Mimen, macht Ihn nach.“ Dieser Abschnitt gibt sehr klare Aussagen, auch einige weniger angenehme. Aber am Anfang steht ganz bewusst das, was Christen sind, bevor sie etwas tun oder lassen sollen: Sie sind „Gottes geliebte Kinder“. Alle, die Ja gesagt haben zu Gott, zu Jesus Christus, die Ihm bewusst vertrauen und mit Ihm leben. Sie dürfen Seine Liebe immer neu empfangen.

Wir dürfen Seine geliebte Kinder sein durch den Glauben an Jesus Christus! Das ist das Adelsprädikat eines Christen: „Gottes geliebtes Kind“. Darüber hinaus gibt es eigentlich nichts Größeres!

Paulus sagt auch hier, wie Gottes Liebe sichtbar wurde. Das ist keine „allgemeine Liebe“, die der „liebe Gott“ sozusagen automatisch jedem zu erweisen hat. Diese Liebe hängt vielmehr zusammen mit Jesus. In Vers 2 schreibt Paulus: „wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.“ Gott gab Sein Bestes, Seinen eigenen Sohn, an unserer Statt, damit wir Seine Liebe erfahren. Daran denken wir neu in dieser Passionszeit.

Wer sich für Gott und für Jesus geöffnet hat, wer Ihm vertraut und Sein Kind ist, der ahmt diesen Vater nach, folgt Seinem Beispiel. („Wie der Vater, so der Sohn/das Kind.“) Am Ende des Abschnitts drückt Paulus es in einem anderen Bild aus: Vers 8: „Denn ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.“ Dieses Licht sind wir durch Jesus Christus, der das „Licht der Welt“ ist. Wenn wir „in Jesus Christus“ sind, wie das Neue Testament es sagt, wenn wir mit Jesus verbunden sind, dann scheint Sein Licht durch uns hindurch zu den Menschen.

Was wir also durch den Glauben an Jesus sind, das steht am Anfang. Gott spricht uns immer zuerst auf das an, was wir schon sind. Er fordert nichts Unmögliches von Seinen Kindern. Er will nur, dass Seine Kinder bei Ihm bleiben, in Seiner Liebe. Er weiß, dass sie nicht vollkommen sind und Fehler begehen, und bietet ihnen immer wieder den Neuanfang an. Aber Er will nicht, dass sie eigene Wege gehen ohne Ihn. Er will, dass wir in Seinem Licht bleiben und nicht wieder zurückgehen in die „Finsternis“, in das Leben ohne Jesus. Er möchte, dass wir Seine Liebe weitergeben: „Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat…“

Weil aber schon damals in einigen Lebensbereichen die Gefahr bestand, dass Christen falsche Wege gehen, spricht der Apostel einige dieser Bereiche an:

1. Unzucht und Unreinheit: Vers 3

Im griech. Urtext steht hier für Unzucht „porneia“; davon kommt das Wort „Pornografie/Porno“. Schon in der damaligen Zeit gab es eine sehr große sexuelle Freizügigkeit im Römischen. Reich. Nicht umsonst sagt man ja: „Da geht‘ s zu wie bei den alten Römern.“ Das ist gar nicht unbedingt nur eine Erscheinung der modernen Zeit.

Das Christentum unterschied sich hier, zusammen mit dem Judentum, ganz klar von den anderen Religionen und Weltanschauungen. Ihm war die Ehe etwa Heiliges. Wir denken an das 6. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen. Ja, alle Sexualität, die nicht in die Ehe eingebunden ist (wenn man so will, „eingebettet“ im wahrsten Sinn des Wortes), ist nach der Bibel „Unreinheit“. Das widerspricht so ganz dem heutigen Zeitgeist, der bis in kirchliche Kreise hineinragt… Aber wir haben uns als Christen an das Wort Gottes zu halten; gerade in unserer so sexüberfluteten Zeit müssen wir uns als Christen in diesem Punkt deutlich vom „Mainstream“ unterscheiden. – Ja, Sexualität ist eine sehr schöne Gabe Gottes, aber im Schutzraum der Ehe, der verbindlichen Beziehung zwischen Mann und Frau. „Unzucht“ verletzt die Liebe, die feste Bindung, die die Treue beinhaltet.

Um hier bestehen zu können, brauchen wir Disziplin und Gebet (besonders die Männer). Wir müssen Entscheidungen treffen, z.B. den Ausknopf des Fernsehers bei bestimmten Sendungen zu betätigen oder gewisse Internetseiten nicht aufzurufen. Und vor allem: Wir sollten die eigene Ehebeziehung fördern!

Und wenn man dann „gefallen“ ist, wenn „es passiert ist“? Bei Gott gibt es immer einen Neuanfang. Wir können, sollen umkehren, sollen wahrhaftig und ehrlich sein, Schuld eingestehen, kein Doppelleben führen! Eine große Hilfe ist ein Gesprächs-partner, eine seelsorgerliche Person, die schweigen kann, vor der man im Angesicht Gottes Schuld bekennen kann, sich aussprechen kann. Gott vergibt! Sonst kommt es zur Zerstörung von Beziehungen.

Und dann ist es auch wichtig, dem, der auf diesem Gebiet schuldig geworden ist und der umkehrt, zu vergeben! Nach langjähriger Ehe beichtete ein christlicher Ehemann seiner Frau, die wie er im Glauben stand, dass er vor Jahrzehnten Ehebruch begangen hatte. Die Frau fiel aus allen Wolken, das hätte sie nicht gedacht. Doch aus dem Mann war‘ s endlich heraus, und er bat seine Frau um Vergebung und einen Neuanfang. Es fiel ihr nicht leicht, es dauerte, bis sie ihm verzeihen konnte. Aber dann konnten sie den letzten Abschnitt ihrer Ehe noch in Frieden miteinander leben.

2. Der zweite Bereich, die zweite Haltung, die Paulus nennt, ist die Habsucht.

Während man gerade in der christlichen Gemeinde sich manchmal fast „das Maul zerreißt“ über jemand, der in sexuelle Schuld gefallen ist, ist es mit der Habsucht, dem Geiz oft anders. Das fällt oft gar nicht auf, wenn jemand habsüchtig ist. Aber seit jeher ist auch für Christen die Habsucht, das Mehr-Haben-Wollen, eine der größten Versuchungen gewesen. Das Wort „Habsucht“ drückt es schon aus: Es ist tatsächlich ein Sucht, man will immer mehr haben, besitzen, kann gar nicht genug davon kriegen.

Christsein und habsüchtig sein, das passt nicht zusammen, denn Habsucht verstellt den Weg zu Gott, der der Wichtigste sein will in unserem Leben. Ja, Habsucht ist eine Form des „Götzendienstes“ (Vers 5). Wir leben nicht vom „Haben“, sondern vom „Sein“ in Jesus Christus als Gottes geliebte Kinder!

Und: Der Habsüchtige kreist nur um sich und um seinen Besitz, er verliert den Mitmenschen aus dem Blick.

Auch hier muss man umkehren, auch wenn es schwer ist. Ein katholischer Priester, der tausende von Beichten gehört hatte, sagte: So gut wie nie hat jemand Habsucht gebeichtet! – Umgekehrt erkennen wir, wie Menschen in der Begegnung mit Jesus auch von der Habsucht frei werden wie Zachäus, der Oberzöllner, der sagte: „Die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, gebe ich es vierfach zurück.“(!) Es ist die Liebe Gottes durch Jesus, die ihn so verändert hat!

Ein frommer Mann, der regelmäßig zur Kirche ging, ärgerte sich an einem Sonntag über die Predigt. Sie handelte davon, dass wir aus Dank für die Gabe des Heilands Jesus Christus auch den Ärmsten etwas geben sollen, dass uns aber der Geiz immer wieder Herz und Hand verschließt. Der Mann ärgerte sich, weil er meinte: Der Pfarrer hat das nur gesagt, um ausgerechnet mich bloßzustellen, wo doch hier erst einmal andere mit gutem Beispiel voranzugehen haben. Der Ärger ließ ihn die ganze Woche nicht los, und er beschloss, in Zukunft in eine andere Kirche zu gehen. Doch als er am nächsten Sonntag in der Kirche der Nachbargemeinde war, traute er seinen Augen nicht: Aus der Sakristei kam sein eigener Pfarrer und hielt den Gottesdienst: Er hielt Kanzeltausch mit dem Nachbarpfarrer. Unser Gottesdienstbesucher bekam noch einmal die Predigt vom Vorsonntag zu hören! Vor Wut wollte er davon laufen (aber das macht man ja in der Kirche normalerweise nicht!), bis ihm plötzlich aufging, dass das offensichtlich vom Himmel her so arrangiert war. Die Geschichte schließt mit dem Satz: Der Ortspfarrer hat sich sehr gewundert, dass er an diesem Tag einen so großen Geldschein in der Kollekte fand.

3. Der dritte Bereich, die dritte Verhaltensweise, die Paulus nennt, steht in Vers 4: „Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.“

Es geht hier um die so genannten „Zungensünden“; auch bei Christen kommen sie leider vor. Überprüfen wir uns doch einmal, was wir so den ganzen Tag reden. Wie wir manchmal über andere „herziehen“, sie “durchlassen“! Wenn das auf ein Band aufgenommen würde und uns dann im Beisein des Betreffenden vorgespielt würde – wir würden vielleicht im Boden versinken vor Scham!

Ja, die Zunge hat eine ungemein große Kraft; sie kann lieblos wirken und riesigen Schaden anrichten.

Um 600 v. Chr. schenkte ein ägyptischer König einem griechischen Weisheitslehrer einen Ochsen mit der Bitte: „Schicke mir das beste und das schlechteste Stück des Tieres zu!“ Der Philosoph sandte dem König die Zunge zu mit der Bemerkung: „Sie ist beides.“ Also: Das beste und das schlechteste Stück!

Auch hier müssen wir umkehren, lernen, Gutes zu reden, wie Paulus schreibt: „vielmehr Danksagung“. Dieses Wort kommt in den Briefen das Paulus 38mal vor. Wir sollen und wollen um Liebe, um liebevolle Worte bitten!

Pl nennt auch die Folgen (Vers 5): „Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.“ Wer festhält an diesen Sünden und Haltungen, wer nicht davon loskommen möchte, der hat schwere Folgen zu tragen. Er verscherzt sich das große Erbe im Reich Gottes, die ewige Herrlichkeit bei Gott. Paulus sagt: „Denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.“ Das ist ein ernstes Wort!

Und darum fordert Paulus die Gemeinde und uns auf, klare Sache zu machen: „Darum seid nicht ihre Mitgenossen.“ (Vers 7) Als Christen können wir nicht mehr bei allem mitmachen, gerade wo es um das Streben nach immer mehr Lustgewinn und nach immer mehr Reichtum geht! Wir müssen auch hier den Mut bekommen und erbitten, zur Not von anderen belächelt oder schief angesehen zu werden, weil Gottes Maßstäbe für uns das Wichtigste sind.

Denn wir wollen ja „Licht in dem Herrn“ sein; weil wir „Gottes geliebte Kinder“ sind, wollen wir Seinem Beispiel folgen, Ihn nachahmen und in der Liebe leben. Dazu helfe Gott uns allen. Amen.

Lied nach der Predigt: Evang. Gesangbuch Nr. 650: Liebe ist nicht nur ein Wort