„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“

(Psalm 139,14 – Monatsspruch August)

Liebe Gemeindeglieder,

im Mai wurde unser viertes Enkelkind geboren. Als ich den kleinen Samuel das erste Mal sah und in meinen Armen hielt, konnte ich einstimmen in die Worte des Psalmverses: „Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ So ein kleines, feingliedriges Wesen regt neu an zum Lob und Dank gegenüber Gott und seiner Schöpfermacht.

Aber nicht nur wenn wir ein Neugeborenes voll Freude und Dank ansehen, können wir so sprechen, sondern auch, wenn wir in den Spiegel schauen, werden wir eingeladen, Gott zu danken. Die Person, die mir da entgegensieht, ist ebenfalls von Gott wunderbar gemacht. So sagt es der Mann, der den Psalm als erster gebetet hat: Jeder Mensch ein letztlich ein Wunderwerk Gottes, des Schöpfers. Jeder, ob schwarz oder weiß, gesund oder krank, alt oder jung, hat eine unvergleichliche Würde vor Gott: Er bzw. sie ist von Gott geliebt und angenommen. Das hat Gott durch Jesus festgemacht, der zu uns Menschen kam und aus Liebe sein Leben für uns gab. Wir finden unsere Bestimmung darin, dass wir durch den Glauben an Jesus die Beziehung zu unserem Schöpfer aufnehmen und ihm danken – ihm, dem wir uns verdanken.

Wer das weiß, wer das annimmt, entwickelt ein gesundes Selbstwertgefühl, eine gesunde Selbstliebe. So wie der Junge in der Schule, dessen Lehrerin der Klasse den Erfindungsreichtum der modernen Gesellschaft nahebringen wollte. Sie sprach mit den Kindern über all das vermehrte Wissen und Können der letzten Jahrzehnte. Was haben Menschen alles erdacht und erfunden, erprobt und erschlossen! Schließlich fragte sie die Kinder: „Kann mir einer von euch eine wichtige Sache sagen, die es vor fünfzig Jahren noch nicht gab?“ Der Junge in der ersten Reihe meldete sich eifrig und sagte voller Stolz: „Mich!“

Das hat nichts mit Egoismus zu tun, wo einer sich nur um sich selber dreht und die Mitmenschen nichts gelten. Vielmehr: Weil Gott mich angenommen hat, kann ich mich auch selber annehmen. Ich weiß: Ich bin einmalig, unverwechselbar, ich bin keine Kopie. Ich muss mich nicht ständig mit anderen vergleichen, die „besser, schöner und klüger“ sind als ich. Ich nehme mich an mit meinen Fähigkeiten und Begabungen, aber auch mit meinen Grenzen und Einschränkungen, gerade als älterer Mensch. Ich nehme mich an mit meiner Lebensgeschichte, in der nicht immer alles „glatt verlief“. Ich nehme mich an in meiner Lebenssituation, auch wenn sie momentan vielleicht schwierig ist. Ich vertraue darauf, dass der Schöpfer und Gott, der mich „wunderbar gemacht“ hat, auch weiterhin Gutes mit mir vorhat. Und so fällt es mir auch leichter, meine Mitmenschen, die oft ganz anders sind als ich, als von Gott geliebte Geschöpfe zu erkennen und sie anzunehmen. Und so können wir – auch jetzt in „Corona“-Zeiten – in der Kirchengemeinde miteinander leben, einander beistehen und gemeinsam Gott danken: „Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Hans Weghorn