Aus dem Gemeindebrief November 2021 – Januar 2022

„Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jeremia 17,14)

Liebe Gemeindeglieder,

„Hauptsache gesund!“ – das ist der Wunsch der meisten Menschen. Ein allzu verständlicher Wunsch, gerade in der Zeit der nach wie vor anhaltenden Covid 19-Pandemie. Bei Geburtstagsbesuchen bei älteren Gemeindegliedern bekomme ich oft mit, wie dem Geburtstagskind dieser Wunsch zugesprochen wird. Und mir selber wünschten auch viele zu meinem letzten Geburtstag gute Gesundheit, und ich war dankbar dafür. Gerade wenn man „in die Jahre kommt“, ist Gesundheit wichtig.

Aber mir ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden, dass „gesund sein“ mehr ist als körperlich einigermaßen fit durch die Welt zu gehen. Der Prophet Jeremia spricht hier davon, dass Gott ihn „heil“ macht. „Heil sein“, das ist: mit sich selber, mit seinen Mitmenschen und nicht zuletzt mit Gott im reinen sein. Ein zu hoher Anspruch, der nicht durch unser Leben abgedeckt ist? Dann sollten wir es machen wie Jeremia: Gott um Hilfe und Heilung bitten. Das haben wir doch, wenn wir ehrlich sind, alle nötig. Jeder hat doch Lebensbereiche, wo etwas nicht in Ordnung, wo etwas zerbrochen ist. „Wir alle brauchen Heilung“ – so hat es ein Buchtitel vor Jahren prägnant ausgedrückt. Das Großartige ist, dass Gott wirklich heil machen will. So verspricht es sein Wort. Wir sollten ihn beim Wort nehmen.

Wir können unsere Not vor Gott im Gebet aussprechen und seine Hilfe erwarten. Oft hilft es, das mit einer Person des Vertrauens zusammen zu tun. Das kann ja der Pfarrer oder ein(e) andere(r) vertrauenswürdige(r) Mitchrist(in) sein.

Das gilt auch für die Kranken in unserer Gemeinde. Die Bibel ermutigt uns, für und mit Kranken und Leidenden zu beten – nicht im Widerspruch zur ärztlichen Kunst, sondern als Ergänzung und als Angebot und Auftrag Gottes. „Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten…“ ist die biblische Anweisung im Jakobusbrief (5,14). Haben Sie doch keine Scheu, das im Krankheitsfall zu tun und Ihren Pfarrer oder/und Mitchristen der Gemeinde um Gebet zu bitten. „Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten…“ (Vers 15) Sollten wir nicht damit rechnen und diese biblischen Weisungen praktizieren? Ja, selbst wenn „sich nichts tut“, wie man so sagt, wenn also die körperliche Heilung ausbleibt und wenn vielleicht sogar der Tod eintritt. Auch dann kann ein Mensch „heil“ werden im viel umfassenderen Sinn. Ich weiß von manchen Schwerstkranken, die durch ihr Leiden wieder neu zu Gott und zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben und darüber froh wurden, dass sie die Hauptsache erkannt haben. Sie konnten dann in Frieden sterben, weil sie sich in den Händen Gottes wussten.

„Hauptsache gesund!“ – ja, aber in einem tieferen Sinn: gesund und heil durch die Beziehung zu Gott und durch den Glauben an Jesus.

Das wünsche ich uns allen und in diesem Sinne eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein „gesundes neues Jahr“.

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Hans Weghorn