Predigt am 2. Advent 05.12.2021

über Lukas 21,25-33

Jesus spricht:

25 Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,

26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.

27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.

28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an:

30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. 31 So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.

32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.

33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.

Liebe Gemeinde,

am 2. Advent denken wir an das zweite Kommen von Jesus in diese Welt. Sein erstes Kommen geschah in Niedrigkeit: An Weihnachten wurde er in Bethlehem in einem Stall geboren. Sein zweites Kommen wird anders sein, wir wir es vorhin im Glaubensbekenntnis ausge-sprochen haben: „von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Jesus hat das seinen Jüngern vorhergesagt, er hat sie darauf vorbereitet; er hat ihnen gesagt, was seinem zweiten Kommen vorausgeht, damit sie sich und wir uns darauf einstellen können.

Drei Mutmachsätze gibt er ihnen und uns mit auf den Weg:

1. Augen auf! – Gottes Reich ist nahe

2. Kopf hoch!- Euer Erlöser kommt.

3. Steht fest! – Aufs Wort Gottes ist Verlass.

1. Augen auf! – Gottes Reich ist nahe

Die Jünger fragten Jesus: Wann kommt denn das Reich Gottes; welche Zeichen gehen ihm voraus? Da antwortet Jesus mit recht unerfreu-lichen Ankündigungen, wie sie in den Versen 25 und 26 stehen.

Jesus ist Realist, er beschönigt die Wirklichkeit nicht. Er sieht die Realität so, wie sie ist. Er redet auch nicht einem Fortschrittsglauben das Wort. Bis hinein in die 50er/60er Jahre des vorigen Jahrhunderts dachte man, es wird alles besser; wir kriegen die wenigen wirklichen Probleme mittels technischen Fortschritts alle in den Griff. Dieser Zukunftsoptimismus ist in eine Resignation umgeschlagen; wir wissen, dass die Probleme immer zahlreicher werden; denken wir nur an den Klimawandel, an den Welthunger, an große Naturkatastrophen wie Seebeben/Tsunamis, Erdbeben u.a.m. Und an die vielen Kriege, die auch aktuell geführt werden! Kosmische Veränderungen verbreiten Panik. Selbst von der Sonne gehen ungeahnte Gefahren aus. Solche Schreckensszenarien sind heute gut denkbar: Das Ozonloch – das Abschmelzen der Pole – Überschwemmungen und Umweltkata-strophen. Und wie sollen die Völker der Erde mit der nun schon fast zwei Jahre anhaltenden Coronapandemie fertig werden?

Was Jesus hier beschreibt, ist für uns heute in erschreckendem Maße konkret vorstellbar und wird zum Teil auch schon so erfahren.

„Augen auf!“ ruft uns Jesus zu. Nehmt die Weltsituation mit wachen Augen wahr. Nehmt aber auch wahr, wo Gott am Wirken ist: Das Bild vom Feigenbaum in den Versen 29-31 weist hin auf Israel. Der Feigen-baum ist ein Symbol für Israel, das seit seiner Staatsgründung im Jahr 1948, obwohl von Feinden umgeben, wie durch Wunder bewahrt geblieben ist. An anderer Stelle sagt Jesus: Das Evangelium wird allen Völkern verkündigt werden. Gottes Reich breitet sich aus, inmitten des Chaos. Gottes Reich ist nahe.

Haltet eure Augen offen, sagt Jesus; lasst euch dabei nicht von den negativen Ereignissen in Bann schlagen wie das berühmte Kaninchen von der Schlange, sondern bleibt hellwach. Wenn es immer schlimmer wird auf dieser Welt, wenn die Welt ihr menschliches Gesicht ganz zu verlieren scheint und wenn nichts mehr von Frieden und Menschlichkeit zu entdecken ist – dann wird das Gesicht des Menschensohnes, von Jesus, am Horizont erscheinen. Darum: Augen auf! Gottes Reich ist nahe!

2. Kopf hoch! Euer Erlöser kommt

„Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Vers 27 und 28)

Das ist ein ermutigendes Wort. Ja, Gott, Jesus will „Aufsehen erregen“! Jesus wird kommen als der Erlöser.

Händeringend wird heute nach Lösungen gesucht im politischen Konflikt im Nahen Osten; in der Bekämpfung des weltweiten Terroris-mus; um Frieden in der Ukraine – um nur einige wenige zu nennen (die schlimm genug sind!) Was gefunden wird, sind bestenfalls Lösungs-versuche, Notlösungen, Übergangslösungen; oft nur Scheinlösungen. Alle diese Lösungen lösen oft nur zu wenig oder gar nichts. Die Lösung, die wir wirklich brauchen, schaffen wir nicht.

Die Lösung bringt er, der Er-löser. Jesus, der uns Menschen die Erlösung brachte:

Sein Tod am Kreuz brachte uns die Erlösung von Schuld, die Verge-bung und das neue Leben. Das ist der feste Lebensgrund für alle, die an Jesus glauben. Und doch leiden wir an dieser Welt und sehnen uns nach der vollständigen Erlösung. Wir warten darauf, dass das geschieht, was der Erlöser am Ende aller Tage sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ Ohne den Erlöser, ohne Jesus Christus, können die Probleme dieser Welt nicht gelöst werden.

Kopf hoch! Jesus ist im Kommen! Zwar wollen wir uns an den Lösungen in dieser Welt kräftig beteiligen; aber wir wissen: Wir können damit nur Zeichen setzen auf den Erlöser Jesus Christus hin, der allein die eigentliche Erlösung bringt.

Im Mittelalter wurden Kirchen bewusst so gebaut: Wer sie betritt, dessen Blick wird emporgerissen. Die hohen Säulen und Fenster lenken die Augen unwillkürlich nach oben. Sie lassen uns symbolisch aufschauen zu dem Gottessohn, der auf dem Thron sitzt. Damit setzten die Christen damals allein durch die Architektur ein deutliches Zeichen für ihren Glauben und ihre Hoffnung, die bis heute nachwirken. Eine praktische Anleitung, zu Jesus aufzusehen.

So wie es im Lied nach der Predigt heißt: „Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen…“ (EG 152)

Als im 2. Weltkrieg die französische Armee immer mehr nach Württem-berg anrückte, bekamen die Deutschen immer größere Angst; aber der französische Kriegsgefangene, der auf einem Bauernhof arbeitete, bekam immer mehr Mut und Freude; und er wurde ja dann befreit, „erlöst“. – Der Bauersfrau wurde das dann zum Gleichnis für das Kommen von Jesus: Es ruft bei den Seinen keine Angst hervor, sondern Freude über die Erlösung.

Für Christen besteht kein Grund, den Kopf hängen zu lassen angesichts der bedrohlichen Zukunft, auch nicht, wenn wir an uns selber denken, wenn wir älter und schwächer werden und einmal sterben müssen. Wir wissen, wohin die Reise geht.

Kopf hoch! Euer Erlöser kommt! Das ist die Botschaft des Advent.

3. Steht fest! – Aufs Wort Gottes ist Verlass.

Aber ist es das wirklich? Hat nicht gerade dieses Versprechen von Jesus zu Irritationen geführt, wenn er sagt: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.“ (Vers 32)?

Haben nicht auch schon die Christen der ersten Gemeinden enttäuscht gefragt: „Wann kommt denn Jesus endlich?“ Bleibt nicht letztlich alles beim alten?

So hat Bert Brecht die Christen und ihre Zukunftshoffnung verspottet und vom „St. Nimmerleinstag“ gesprochen.

Wie verlässlich ist Gottes Wort?

Jesus sagt es unmissverständlich: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“

Zu schnell meinen wir vielleicht zu wissen, was Jesus meinte, wenn er von „diesem Geschlecht“sprach.

Das Wort für „Geschlecht“ bzw. „dieses Geschlecht“ bedeutet in der Bibel oft: das Volk Israel. Und dieses Volk ist nicht vergangen, obwohl viele es auslöschen wollten. Gott hat sich zu diesem Volk gestellt; und er hat damit das Wort von Jesus bewahrheitet.

Ja: Wer ist nicht alles „vergangen“, seitdem Jesus diese Worte gesprochen hat: Herrscher, Völker, Ideologien… Aber Jesu Worte haben immer noch Bestand.

Der französische Philosoph Voltaire (18. Jahrhundert), einer, der sich über das Christentum lustig machte, kündigte an: Bis 1850 wird die Bibel komplett von der Bildfläche verschwunden sein. Doch ausgerech-net in seinem Haus in Paris befindet sich heute die Druckerei der französischen Bibelgesellschaft!

Der Liederdichter Manfred Siebald drückt das so aus:

„Weil mir Gott sein Wort nie brach,

weil Er alles hielt, was Er versprach,

darum weiß ich: einmal werde ich ihn kommen sehn.

Warum sollte ich den Mut verlieren

und statt mich zu freuen, resignieren?

Nein, ich warte weiter, denn ich weiß, auf wen…“

Darum: Steht fest! – Aufs Wort Gottes ist Verlass!

Auch uns macht Jesus Christus heute Mut, mit ihm und seinem großen Tag zu rechnen, indem er uns aus seinem Wort zuruft:

1. Augen auf! – denn Gottes Reich ist nahe.

2. Kopf hoch! – denn euer Erlöser kommt.

3. Steht fest! – denn auf Gottes Wort ist Verlass.

Wir tun gut daran, Jesus ernst zu nehmen, denn wir wissen ja, wohin die Reise geht. Amen.

Lied nach der Predigt: EG 152: Wir warten dein, o Gottessohn

Pfr. Hans Weghorn, Neunkirchen am Sand