Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis 25.07.2021

über Römer 6,19-23 (Text: „Gute Nachricht“)

Der Apostel Paulus schreibt:

19 Ich rede sehr menschlich vom »Sklavendienst« der Gerechtigkeit – ich gebrauche dieses Bild, weil euer Verständnis noch schwach ist. Früher hattet ihr eure Glieder und alle eure Fähigkeiten in den Dienst der Ausschweifung und Zügellosigkeit gestellt. Ihr führtet ein Leben, das Gott nicht gefallen konnte. So stellt jetzt umgekehrt eure Glieder und Fähigkeiten in den Dienst des Guten und führt euer Leben als Menschen, die Gott gehören.

20 Solange ihr Sklaven der Sünde wart, wart ihr dem Guten gegenüber frei.

21 Was kam dabei heraus? Ihr schämt euch jetzt, wenn ihr daran denkt; denn was ihr damals getan habt, führt am Ende zum Tod.

22 Aber jetzt seid ihr vom Dienst der Sünde frei geworden und dient Gott. Was dabei herauskommt, ist eine Lebensführung, durch die ihr euch als Gottes heiliges Volk erweist, und am Ende erwartet euch ewiges Leben.

23 Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod. Gott aber schenkt uns unverdient, aus reiner Gnade, ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn. 

Liebe Gemeinde!

„Fangen Sie ein neues Leben an! – Wenigstens für eine halbe Stunde.“ Das war mal der Werbeslogan für ein Auto der etwas besseren Klasse. Es hieß dann weiter: „Jetzt probefahren!“ – Ein neues Leben – wunderbar! Aber nur für eine halbe Stunde – ein bisschen bescheiden, nicht wahr? Das Problem ist außerdem: Dieses „neue Leben“ ist auf Dauer nicht so ganz preiswert; wer nicht „das nötige Kleingeld“ hat, für den wird‘ s bei einer halben Stunde Probefahrt bleiben…

Hier im Römerbrief, Kapitel 6, ist dagegen die Rede vom neuen Leben, das ewig ist: „Gott aber schenkt uns unverdient, aus reiner Gnade, ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ (Vers 23)Dasewige Leben, das Gott gibt, ist Geschenk, Gabe!

An solche Menschen schreibt der Apostel Paulus, an Menschen, die „neues Leben“ bekommen haben, es sich haben geben, schenken lassen: durch Jesus Christus. Die ganzen Verse vorher, in diesem gewaltigen Kapitel 6 des Römerbriefs, beschreibt es Paulus: Die Christen sind Befreite, sind herausgelöst aus dem Machtbereich des Todes und der Sünde: durch Glaube und Taufe. Das war Erfahrung. Die Gemeindeglieder, so verschieden sie waren, hatten eines gemeinsam: Sie hatten sich zu Jesus Christus hingewendet, hatten bewusst ein neues Leben mit Gott, mit Christus begonnen.

Das Bild, das Paulus hier verwendet, ist das der Befreiung aus der Sklaverei der Sünde: „Aber jetzt seid ihr vom Dienst der Sünde frei gewor-den und dient Gott.“ (Vers 22) Da gab es Menschen, die frei geworden waren von Süchten, vom Kreisen um sich selbst, von  „Ausschweifung und Zügellosigkeit“  (Vers 19).

Und nun ermutigt und ermahnt Paulus die Gemeindeglieder und auch uns: Lebt in diesem neuen Leben, lebt als Befreite, lebt so, wie Gott es haben will. So haben wir es vorhin als Wochenspruch und in der Evangeliums-

lesung gehört: „Ihr seid das Licht der Welt“; und im Wochenspruch:„Lebt als Kinder des Lichts…“

So ermutigt Paulus die Christen damals in Rom und uns heute:

1. Lebt nicht das alte Leben!

Das alte Leben, das ist das Leben ohne Jesus Christus, das nicht unter seiner Herrschaft geführt wird; diese alte Leben führt zum Tod: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod.“ (Luthertext: „Der Tod ist der Sünde Sold…“) Die Sünde zahlt schlecht! Ihre Konsequenz ist der ewiger Tod, der am Schluss auf alle wartet, die ohne Jesus unterwegs waren in diesem Leben! Aber dieser Tod beginnt ja schon jetzt – ebenso wie das ewige Leben schon jetzt beginnt:

Die Bibel erzählt uns gleich am Anfang, was die Konsequenz der Sünde ist, des „Sündenfalls“. Der Mensch wird aus dem Paradies vertreiben: Er erfährt den „Tod“ in mehrfacher Beziehung:

  • Den Tod der Beziehung zu Gott: Er ist von Gott getrennt.
  • Den Tod der Beziehung zum Mitmenschen: Da gibt es  Miss-verständnisse, Neid, Hass, Streit, ja: Es kommt zum ersten Brudermord: Kain bringt seinen Bruder Abel um!
  • Den Tod der Beziehung zur Natur, Umwelt. Der Mensch entfremdet sich von der Arbeit.
  • Und schließlich erfährt er den Tod in der Beziehung zu sich selbst: Der Mensch ist sich selbst oft fremd, kommt mit sich selber nicht klar; z.B.: Es kommt zur Unzufriedenheit, zu seelischen Krankheiten u.a.m.

Wo im Leben eines Christen oder einer Gemeinde solcher „Tod“ auftritt, ja, herrscht, da ist Vorsicht geboten. Da kann ich nicht sagen: Ich bin doch Christ… Vielmehr: Ich muss mich fragen, wo ich dem Alten, der Sünde, Raum gegeben habe.

Z.B.: Wenn Christen miteinander auf Dauer streiten, sich nicht versöhnen, negativ übereinander reden, ja vielleicht sogar Verleumdung üben. Das führt zum Tod, zum Tod der Gemeinschaft der Christen und hat negative Auswirkungen nach außen.

Unser Christsein darf nicht „Tünche“ auf ein altes Leben sein; keine „christliche Lebenskosmetik“.

Es braucht einen Punkt im Leben – oder immer wieder einmal Punkte –, wo ich Bestandsaufnahme mache über mich selbst; wo ich ehrlich werde vor mir selber und vor Gott.

Ich denke an einen alten Freund von mir: Er hatte ein uraltes Auto gekauft. Bei dem Auto war der Boden unter der Fahrerseite kaputt, durchgerostet. Das Auto fuhr zwar, aber sehr unkomfortabel. Er brauchte ein neues Auto!

      Jesus Christus hat dieses Neue bereit; ja, das betont Paulus immer wieder; er hat den vollen Preis dafür bezahlt: Er hat sein eigenes Leben gegeben!

Weil Jesus alles für uns gegeben hat, können wir neue Menschen werden und frei von den Belastungen unseres Lebens.

Ich darf das persönliche Erleben einer Frau aus meiner früheren Gemeinde in Fürth hier wiedergeben. Sie schrieb vor Jahren:

Am 15.2.1978, als ich von der Arbeit heim kam, fand ich im Briefkasten eine Benachrichtigung von der Polizei, dass wir uns dort melden sollten. Am Telefon erklärte man uns, dass wir persönlich kommen müssen.

Am Polizeipräsidium wurde uns dann mitgeteilt, dass unser Sohn, der in Berlin wohnte, Selbstmord begangen hat. Für mich brach eine Welt zusammen. Mein Sohn ein Selbstmörder, das kann ich niemandem sagen außer meiner nächsten Verwandtschaft – und so entschloss ich mich zu sagen, es war ein Verkehrsunfall. Wir hatten dann in Berlin die Trauerfeier und in Fürth eine feierliche Urnenbeisetzung.

Ich dachte, nun habe ich alles getan, was richtig war. Nun kam aber eine innere Unruhe über mich. Täglich in meiner Mittagszeit von einer dreiviertel Stunde rannte ich auf den Friedhof und für die Nacht brauchte ich täglich zwei Beruhigungstabletten, und das steigerte sich dann noch mit schmerzstillenden Spritzen.

1982 verstarb dann ganz plötzlich mein Mann.

1983 habe ich dann meinen ganzen Kummer Gott hingelegt. Seitdem habe ich nicht mehr den Zwang, auf den Friedhof zu gehen und brauche auch keine Medikamente mehr. Was mich aber noch belastete, war die Lüge mit dem Verkehrsunfall. Vor mehreren Jahren ergab sich dann die Gelegenheit, dass ich mich bei meinen damaligen Freunden, bei jedem einzelnen, entschuldigen konnte. Seitdem habe ich meinen inneren Frieden.

Also: Lebt nicht das alte Leben, sondern stoßt durch zum neuen Leben mit Jesus Christus!

2. Lebt das neue Leben!

Dieses neue Leben ist praktisch/konkret. „So stellt jetzt umgekehrt eure Glieder und Fähigkeiten in den Dienst des Guten und führt euer Leben als Menschen, die Gott gehören.“ (Vers 19) „Aber jetzt seid ihr vom Dienst der Sünde frei geworden und dient Gott. Was dabei herauskommt, ist eine Lebensführung, durch die ihr euch als Gottes heiliges Volk erweist, und am Ende erwartet euch ewiges Leben.“ (Vers 22)

Paulus spricht vom „heiligen Volk“;d.h. von Menschen, die zu Gott gehören, die wissen, wer ihr Herr ist. „Heilig“ ist, wer sich und sein Leben bewusst in die Hände Gottes gibt, sich unter die Herrschaft von Jesus Christus stellt. Das kann durch ein bewusstes Gebet geschehen; bei der Feier des Taufgedächtnisses; in einem Gespräch und Gebet mit einem seelsorgerlichen Menschen. Ich weiß dann, zu wem ich gehöre: zu Jesus Christus!

Und dann darf man Veränderung erwarten, Erneuerung; nicht aus eigener Kraft und Anstrengung, nicht „mit zusammengebissenen Zähnen“; sondern aus der befreienden Gemeinschaft mit Jesus Christus heraus. Ich darf damit rechnen, dass Gott mich im Laufe der Zeit verändert.

Man hört so oft den Satz: „Christen sind auch nicht besser!“, sondern: „Sie sind besser dran!“ Das stimmt schon irgendwo – weil auch der Christ nicht sündlos ist. Aber das darf kein Ruhekissen werden; kein Pakt mit der Sünde! Nein, ich glaube: Im Leben des Christen ist etwas zu sehen, zu spüren von der „Frucht“, die Gott bewirkt; und auch im Leben der Gemeinde! Es kommt zu einem anderen, neuen Umgang miteinander, der von Liebe und Achtung geprägt ist.

Da sagte mal irgendwo ein Gemeindeglied zur Nachbarin: „Letzten Sonntag habe ich ein schöne Predigt gehört.“ – „Worüber ging sie denn?“ – „Das kann ich nicht mehr sagen; aber das weiß ich: Hinterher habe ich meine Nachbarin wieder freundlich begrüßt.“

Der berühmte Prediger Spurgeon fragte einmal eine fromme Haus-angestellte: „Woran erkennen Sie, dass Sie das neue Leben durch Jesus Christus haben?“ Darauf gab sie die treffende Antwort: „Seit ich bekehrt bin, fege ich auch immer unter den Matten.“

Also: Das neue Leben hat Auswirkungen in diesen verschiedenen Bezie-hungen: Es kommt zu einer neuen Beziehung zu Gott, zu Jesus; zu einer neuen Beziehung zum Mitmenschen; auch zur Schöpfung, zur Arbeit; und auch zu sich selbst.

Wir dürfen und wollen damit rechnen, dass Gott auch uns ständig erneuert!

„Fangen Sie ein neues Leben an. Wenigstens für eine halbe Stunde!“ Nein, so bescheiden wollen wir nicht sein, vielmehr: ein neues, ewiges Leben anfangen oder fortsetzen: durch Jesus, der es uns schenkt.

Dieses neue Leben fängt an, wenn ein Mensch das Alte seines Lebens in die Hand von Jesus Christus gibt, sein Leben ihm bewusst übereignet und sich ihm zur Verfügung stellt. Was hindert uns daran, das zu tun, wenn Gott heute zu uns gesprochen hat?

„Jetzt probefahren!“  „Jetzt probe-leben“: mit Jesus!…

Dann darf ich damit rechnen, dass Gott mein Leben beständig erneuert und durch mich/durch uns in dieser Welt Gutes bewirkt.

Und dann habe ich eine gewaltige Perspektive für die Zukunft: Es stimmt: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod. Gott aber schenkt uns unver-dient, aus reiner Gnade, ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ (Vers 23)

Lied nach der Predigt: 406,1-4: Bei dir, Jesu, will ich bleiben

Pfarrer Hans Weghorn, Neunkirchen am Sand

Die heutige Kollekte ist für das Diakonische Werk Bayern bestimmt.