Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis 01.08.2021

Predigttext: Matthäus 13,44-46

Liebe Gemeinde,

vor fast 60 Jahren, als Günther Jauch und seine Kollegen noch im Sandkasten spielten, hieß ein beliebtes Fernseh-Quiz „Alles oder nichts!“ Es ging um sage und schreibe 8.000 DM, die durch 30 richtig beantwortete Fragen gewonnen werden konnten. Nach jeder Frage musste der Kandidat neu entscheiden, ob er aufhört und sein bisheriges Preisgeld mit nach Hause nimmt, oder ob er weitermacht und sich der nächsten schwereren Frage stellt; mit dem Risiko, alles zu verlieren – anders als bei „Wer wird Millionär?“, wo man einen Betrag wenigstens sicher hat. Eben so, wie das Spiel hieß, ganz nach dem Prinzip „Alles oder nichts“. Nur wer alles einsetzte, konnte auch alles gewinnen. Und Köpfchen brauchte es auch!

Jesus schildert in zwei kurzen Beispielgeschichten auch diese „Alles oder Nichts“-Frage:

44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,

46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Die beiden Erzählungen von Jesus wirken auf den ersten Blick so märchenhaft wie „1000 und eine Nacht“, wenn hier von Perlen und Schätzen die Rede ist. Aber auf den zweiten Blick erkennen wir: Das hat mit Gott zu tun, mit Gottes Reich, dem „Himmelreich“, wie besonders Matthäus es nennt. Um das Reich Gottes, das „Himmelreich“ geht es im ganzen 13. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Alles, was Jesus sagte und tat, hatte das Reich Gottes zum Inhalt: seine Predigten, seine Heilungen, die Zeichen und Wunder, die er vollbrachte.

Und so lädt uns Jesus heute neu ein, zu sehen, was es mit dem Reich Gottes, mit der Herrschaft Gottes auf sich hat und wie man daran Anteil gewinnt.

1. Der unvergleichliche Schatz

Was ist das für eine Überraschung für den Tagelöhner und auch für den Kaufmann! Damit haben sie nicht gerechnet. Besonders im ersten Gleichnis kommt das völlig Unerwartete zum Tragen. Mitten im Alltag, bei der täglichen Plackerei stößt dieser Tagelöhner auf einen Schatz, der sein Leben völlig verändern wird.

Jesus sagt uns damit: Es gibt etwas Größeres, etwas, das unser Leben reich manchen kann, viel reicher als irgendetwas anderes. Es gibt Dinge, die wir gar nicht mehr für möglich halten. In unserem Alltag, der oft so trist geworden ist, so „grau in grau“, so monoton und langweilig, wo manche Menschen sich nichts mehr erwarten und „abgeschlossen“ haben – mitten im Alltag können wir plötzlich einen Schatz in unseren Händen halten: einen unvergleichlichen Schatz.

Was ist das für ein Schatz? Er ist nicht mit Gold und Silber aufzuwiegen. Es ist der „Schatz“ der Gemeinschaft mit Gott, das ewige Leben, die Vergebung der Sünden; dass ich neu anfangen kann mit Gott und: dass ich in der Gemeinschaft des Glaubens mit anderen leben kann.

Und vor allem: Dieser Schatz ist Jesus selber! Jesus Christus ist dieser „Schatz“, der unser Leben neu macht und bereichert! Das haben die Reformatoren, insbesondere Martin Luther, damals ganz neu entdeckt: „Jesus allein!“ So haben wir es auch in der Lesung vorhin ausPhilipper 3 gehört.

Das ist der unvergleichliche, der unvergängliche Schatz, die Perle, die selbst der Tod nicht nehmen kann! Wie vergänglich sind doch weltliche Schätze und Reichtümer, materielle Werte! Wir denken z.B. an die ägyptischen Pharaonen, die sich für die Zeit nach ihrem Tod Schätze in ihr Grab, in die Pyramide legen ließen. Aber die halfen ihnen auch nicht mehr. Und auch Beziehungen zu Menschen werden durch den Tod oder durch Trennung abgeschnitten! Die Beziehung zu Jesus aber bleibt in Ewigkeit!

Dieser unvergleichliche Schatz ist also Jesus selbst und das Leben, das er schenkt!

2. Die Freude des Entdeckens/des Findens

Dieser kostbare Schatz des Evangelium, Jesus Christus selbst, will entdeckt werden.

Im ersten Gleichnis heißt es: Der Schatz war„verborgen im Acker“.

Gott, Jesus „liegt nicht auf der Straße herum“ wie ein Euro, den einer verloren hat. Nein, ein echter Schatz ist verborgen, muss erst aufgespürt werden.

Gott ist kein „Allerweltsgott“ , den wir durch unsere bisherige Erfahrung oder durch unseren Verstand erfassen könnten. Wir können ihn auch nicht von uns aus „finden“, auch wenn wir noch so „religiös“ sein mögen. Vielmehr: Er muss sich selber zeigen, „offenbaren“ nennt die Bibel das. Und: Er tut es durch Jesus.

Er wird entdeckt von durchaus verschiedenen Leuten:

– Der Tagelöhner entdeckt den Schatz „zufällig“. Nun, wir wissen, dass es im Reich Gottes kein „Zufälle“ gibt. Ich denke an viele Menschen, die sich von sich aus gar nicht mit Gott, mit Jesus beschäftigt haben, aber z.B. durch Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen darauf „gestoßen“ sind: Sie wurden zum Gottesdienst eingeladen, zu einem Glaubenskurs, oder sie hatten einfach Kontakte zu Christen. Ich denke an einen Jugendlichen, der gerne Tischtennis spielte, aber keine eigene Platte hatte. Von Freunden wurde er in die Jugendgruppe eingeladen, wo man im Gemein-dehaus auch Tischtennis spielte. Er ging eigentlich nur deswegen hin. Aber dann wurde er im Lauf der Zeit innerlich angesprochen und merkte: Das mit dem Glauben an Jesus, das ist auch was für mich. Übers Tischtennis-spielen fand er zum Glauben.

Immer wieder geschieht es auf ganz verschiedene Weise, dass Menschen spüren: Es gibt einen Lebenssinn, der in mehr besteht als „Maloche“ und das Übliche. Diesen Glauben an Gott, an Jesus möchte ich auch haben!

– Das Evangelium wird entdeckt von einem Suchenden: Das zeigt uns das zweite Gleichnis, das vom Kaufmann und der Perle.

Es gab viele Suchende zu allen Zeiten, und es gibt sie auch in unserer Zeit: Leute, die sich wirklich auf den Weg machen und vielleicht schon manches „ausprobiert“ haben, gerade sehr religiöse Menschen. Ich denke an Menschen, die oft lange auf der Suche waren im großen Angebot im religiös-esoterischen Bereich unserer Tage.

Ich denke an eine junge Frau aus meiner früheren Gemeinde, die wirklich  auf der Suche war und ein Gespräch mit mir führte. Ich gab ihr ein Buch über den Glauben mit, in dem auch ein Gebet abgedruckt war, wie man sein Leben bewusst Gott anvertrauen kann. Nach einigen Wochen kam sie auf mich zu und sagte: „Ich hab des Gebet fei g‘sprochen!“ Das war für sie der bewusste Anfang mit Jesus Christus, und sie ist heute noch dabei!

Wie gut, wenn Menschen auch heute suchen, sich nicht zufrieden geben mit althergebrachten Antworten, mit „Glauben aus zweiter Hand“, sondern „es selber wissen wollen“! Wie gut, wenn sie dann erkennen, dass in Jesus Christus „alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen“ sind, wie es im Kolosserbrief einmal heißt, und wenn sie zu Ihm finden! Plötzlich geht dem Menschen in seinem Innersten auf: Genau das habe ich gesucht! Nun hat mein Suchen ein Ende! So wie Jesus es an anderer Stelle sagt: „Wer sucht, der wird finden!“

Ja, ein Christ ist eben nicht ein ewiger Gottsucher, der sagt: Ich bin auf der Suche, ich bemühe mich halt; sondern jemand, der bekennen kann: „Ich hab‘ s gefunden!“ Einen Anstecker mit dieser Aufschrift trugen manche Christen, und es war ein Anstoß für ein Gespräch über den Glauben mit Leuten, die fragten, was sie denn gefunden hätten. So konnten sie von ihrem Glauben, vom Jesus, erzählen.

Und das ruft tiefe Freude hervor. Es heißt in Vers 44 über denMann, der den Schatz im Acker gefunden hat: „…in seiner Freude ging er hin…“. Wer Jesus gefunden hat, erfährt eine Freude, die ihm niemand nehmen kann.

3. Die reellen Kosten

Das Reich Gottes, der Glaube, Jesus Christus selber ist ein Geschenk, ist „umsonst, gratis“… Und doch hat das alles seinen Preis. Ja, Gott selber, Jesus selber „hat seinen Preis“!

Dieser Preis ist nicht mit Geld zu bezahlen, sondern mit viel mehr: mit uns selber, mit der ganzen Hingabe des Lebens!

Zwei Mal steht hier sehr deutlich, in diesen nur drei Versen: „und verkauft alles, was er hatte“! Also: „Alles oder nichts!“

Um den ewigen Schatz des Evangeliums zu bekommen, die kostbarste Perle, müssen wir uns selber hingeben, mit allem, was wir sind und haben. Man kann es „Lebensübergabe“ nennen: Ich übergebe Gott mein Leben. Jesus will uns ganz haben, Sie, dich und mich! Denn Ihm liegt soviel an uns, an jedem einzelnen, an uns als ganzen Personen. Dafür hat ja er selber sich ganz hingegeben, den Preis bezahlt, als er am Kreuz sein Leben für uns gab.

Gott will nicht nur „etwas“ von mir, von uns. Das zeigt die Legende vom Bauern und seinem Korn:

Ein Bauer bestellt im Frühjahr liebevoll seinen Acker. Er bringt das kostbare Saatgut in die Erde. Nun wartet er auf den Regen, dann auf die Sonne. Das Korn reift. Es wird eine gute Ernte. Der Bauer schneidet das Korn, drischt es aus und füllt den Ertrag in Säcke. Er hat gut geerntet und ist reich beschenkt. So fährt er fröhlich nach Hause.

Da begegnet ihm Gott und sagt: “Bauer, du hast reich geerntet, gib mir dein Korn.“ Der Bauer denkt erschrocken: „Mein Korn, meine Habe Gott geben, das geht zu weit!“ Aber er bindet den Sack auf, sucht ein winziges Korn heraus und gibt es Gott. Der drückt das Körnlein an sein Herz und, von der Liebe Gottes durchglüht, verwandelt sich das Weizenkorn in reines Gold. So verwandelt gibt Gott es dem Bauern zurück und sagt: „Ich schenk es dir, mach was daraus!“ – Da bekommt der Bauer einen Weinkrampf und schreit auf: „Hätte ich doch Gott all mein Korn gegeben, wie reich wäre ich jetzt!“

Jesus will uns ganz haben mit unseren Vorzügen, unseren Begabungen – aber auch mit unseren Schwächen und besonders mit unserer Schuld und unserem Versagen. Wenn wir es ihm geben, empfangen wir seine Vergebung und den Neuanfang.

Wenn dieser Schatz wirklich so groß ist – wer wird da nicht tatsächlich alles hingeben, um ihn zu erwerben und zu behalten?! Wer würde nicht „zugreifen“, wenn es um ewiges Leben, um Freude und Geborgenheit hier auf dieser Erde und einmal in Ewigkeit geht?!

Liebe Gemeinde, lassen wir es uns heute neu sagen: Gott hat unendlich Großes für uns bereit: den „Schatz“ des Evangeliums, seiner beständigen Nähe und Gegenwart, sich selbst. Er möchte, dass wir das immer neu erkennen, entdecken, auch mitten im Alltag. Und dass wir alles drangeben, um beständig unter seiner guten Herrschaft, in seinem Reich zu leben. Amen.

Lied nach der Predigt: EG 346,1-4: Such, wer da will

Pfarrer Hans Weghorn, Neunkirchen am Sand.

Die heutige Kollekte ist für das Diakonische Werk Bayern bestimmt.