Predigt am Altjahresabend (Silvester) 31.12.2021

über Matthäus 13,24-30

24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 26 Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. 27 Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? 29 Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.

Liebe Gemeinde,

Erntedank liegt weit hinter uns.In die dunkle Jahreszeit und an diesen Silvesterabend passt dieses Gleichnis von Jesus auf den ersten Blick nur wenig. Heute Abend kommen wohl jedem Gedanken an das vergangene Jahr in den Sinn. Sie mischen sich mit Fragen zu dem, was uns 2022 erwartet.»Besser wird’ s wohl kaum werden.« Diese Haltung prägte das vergangene Jahr nicht nur bei notorischen Pessimisten. Was sagt Jesus dazu? Kann er uns eine optimistische Sicht auf die Zukunft schenken? Für Jesus ist klar, dass das Böse zunehmen wird. Dem Bösen entspricht im Gleichnis das Unkraut. Gemeint ist wohl der Taumellolch, der gewisse Ähnlichkeit mit Getreide hat. Er nimmt dem Weizen seine Kraft und kann, wenn er zusammen mit diesem geerntet wird, den ganzen Ertrag verderben. Oft war er mit einem Pilz befallen. Auch bei uns war die Kontaminierung von Getreide mit Mutterkorn oft ein schwerwiegendes Problem.Kein Wunder also, dass die Knechte, die für die Gemeinde Jesu stehen, Jesus den Vorschlag machen, das Unkraut auszureißen.Doch zur Bestrafung der bösen Welt haben wir keinen Auftrag, kein Mandat. Etwas anderes wird von uns Christen erwartet. So wie das Böse wächst und sich immer mehr ausbreitet, sollen wir mithelfen, dass das Himmelreich wächst. Insofern ist Jesus doch auch Optimist. In und unter allem Bösen wächst auch das Gute, das mit Jesus seinen Anfang genommen hat. Drei Aspekte dazu, wie das 2022 geschehen kann:

1. Schau nicht auf das Unkraut!Wer das Unkraut in den Blick nimmt, der kann nur verzweifeln. Löwenzahn, Giersch und Disteln kommen einfach wieder und scheinen bessere Karten zu haben als das, was wir angepflanzt haben. Es gibt ja den Ausspruch: „Unkraut vergeht nicht“…Auch in unserem Land scheint sich das geistliche Unkraut immer mehr auszubreiten. »Die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen«, sagt Jesus an anderer Stelle. Die Kirchen werden kleiner. Unter Christen entsteht Streit über die Einschätzung einer Viruserkrankung, und die Gebote Gottes werden immer weniger beachtet. Dinge, die früher durch christliche Prägung Allgemeingut waren, werden in Frage gestellt. Man denke nur an Abtreibung. Da wird ein „Menschenrecht auf Abtreibung“ gefordert; der Paragraph 219a, der die Werbung für Abtreibung verbietet, wird wohl gekippt werden. Über Sterbehilfe in Form des „assistierten Suizids“ in Häusern der Diakonie wird selbst von manchen kirchlichen Repräsentanten laut nachgedacht (!). Und die Bekämpfung der grundlegenden Bedeutung der Ehe von einem Mann und einer Frau nimmt immer mehr zu.

Aber: Wer sich auf die Betrachtung dieser Fehlentwicklungen fokussiert, hat schon verloren. Er wird verzweifeln oder verbittern. Wie viel persönliche Niedergeschlagenheit folgt aus dem Blick auf das »Unkraut« unserer Zeit. Wie viel Angst und wie viel Lähmung entstehen unter Christen, weil wir uns ausmalen, »wohin das alles noch führen wird«. Von Jesus können wir lernen, dass es auf all diese Dinge nicht ankommt. Wir müssen über alles Böse in dieser Welt nicht zu Gericht sitzen. Es steht Jesus zu. Er wird am Ende der Zeiten einmal ein gerechtes Gericht halten über alle Übeltäter und wird alle, die zu ihm gehören, sammeln – so wie die Schnitter im Gleichnis den Weizen in die Scheune sammeln. Jetzt aber gilt noch seine Einladung, die wunderbar in der Jahreslosung für das neue Jahr 2022 steht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Johannes 6,37) Gott sei Dank – bei Jesus gilt nicht „2 G oder 3 G oder 2 G+ oder 3 G+ oder gar 1 G“; es gibt keine Einlassbeschränkungen. Jeder darf mit dem, was ihn oder sie bewegt, zu Jesus kommen: im Gebet; mit der Schuld, dem Versagen und Scheitern im Leben. Eben auch, wer sich, um im Gleichnis zu bleiben, wie „Unkraut“ vorkommt und so manches verdorben hat. Wer sich unnütz fühlt und wertlos – allen gilt Jesu Einladung.Freilich: Wer Jesus ablehnt und mit seinem Wort nichts zu tun haben will, wer seine guten Gebote und Weisungen beiseite schiebt, der wird dem Gericht Gottes verfallen. Den wird Jesus einmal abweisen. – Aber das ist seine, Jesu Entscheidung, nicht unsere.Wir als Gemeinde Jesu wollen, auch im neuen Jahr, mit Jesus Christus leben, wollen zu ihm einladen, auch in Corona-Zeiten, die ja gewiss länger anhalten werden. Nutzen wir die Formen christlicher Gemeinschaft in den Gottesdiensten und Treffen, die uns möglich sind. Laden wir andere dazu ein, gerade auch zu den Bibelabenden, die für Ende März geplant sind. Nehmen wir diesen Auftrag von Jesus wahr. Denn:

2. Das Reich Gottes wächst – auf der ganzen WeltNeben dem Unkraut wächst auch viel Gutes. Weltweit wächst die christliche Gemeinde, teilweise unter ganz schwierigen Bedingungen. Gott tut Großes n Lateinamerika, in Afrika und Asien. Ein Beispiel ist der Iran, viele Menschen zum Glauben an Jesus finden und sich dann meist im Untergrund treffen, das der Religionswechsel verboten ist. Nicht wenige werden verhaftet, kommen ins Gefängnis und werden misshandelt. Doch auch in unserem Land kommen Menschen zum Glauben an Jesus Christus. Neue Gemeinden entstehen, auch unter jungen Leuten, und alte werden neu von brennender Liebe zu Jesus entfacht. Vor allem für Pessimisten (und Realisten) ist es wichtig, nicht immer nur auf das Böse zu schauen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Ursache des Bösen der »altböse Feind« ist. Theologen zu allen Zeiten haben davor gewarnt, sich zu sehr mit dem Teufel zu beschäftigen.Wir sollten unseren Blick für Gottes Handeln schärfen. Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns für das neue Jahr vornehmen, gezielt nach Berichten über Gutes aus dem Reich Gottes Ausschau zu halten, anstatt den Verfall des christlichen Abendlandes zu beklagen und uns von der Angst lähmen zu lassen. Vielleicht finden Sie / findest du ja heute Abend noch ein wenig Zeit, um über die Frage nachzudenken, wo du erlebt hast, dass das Reich Gottes wächst und wo du 2021 von geistlichem Wachstum gehört und gelesen hast.

3. Das Reich Gottes wächst – auch in mirWachstum ist nicht nur eine Sache für die anderen, sondern auch für mich persönlich. Basis für das persönliche Wachstum ist guter Samen, den Jesus selbst aussät. Was wächst in meinem Leben? Gibt es Dinge, die ihren Ursprung nicht in Jesus haben, sondern anderswo? Welche Dinge schleppe ich mit mir herum, die vom Bösen kommen und nicht von Jesus? Kann ich am letzten Abend dieses Jahres Dinge ablegen oder ausreißen, die mich belasten und die das Fruchtbringen erschweren? Wo prägen mich Hass und Gleichgültigkeit gegenüber Gott und meinen Mitmenschen? Wo bin ich kleinlaut und verängstigt? Wie kann mein Glaube im neuen Jahr wachsen? Wie kommt das, was Jesus in mir angelegt hat, zur Entfaltung?Soll man sich für das neue Jahr etwas vornehmen? Was ist von guten Vorsätzen für 2022 zu halten? Lebensveränderungen sind nur durch die Nähe zu Jesus zu erwarten. Selbstappelle helfen nicht weiter. Allerdings legt Jesus in seiner Auslegung eine Spur, die uns helfen kann, das neue Jahr so zu gestalten, dass es ihm gefällt. »Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.« Auf diese großartige Zukunft gehen wir zu, wenn wir auf Jesus vertrauen.Sind wir nah bei ihm, dann erstrahlt auch unser Alltag. Entfernen wir uns von ihm, wird auch das Leben trüber. Der einzige Vorsatz, den sich ein Christ also geben kann, ist, die tägliche Nähe zu Jesus zu suchen. Dann strahlen wir etwas aus von dem Guten, das Jesus in uns hineingelegt hat. Denn so heißt es schon im alttestamentlichen Buch der Richter und in dem Lied,m das wir nun gleich singen werden:: »Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne.« Amen.

Lied nach der Predigt: NL 059,1-4: Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne