Predigt am Ewigkeitssonntag 21.11.2021

über Markus 13,31-37

Jesus spricht:

31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.

32 Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

34 Es ist wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er sollte wachen:

35 So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,

36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.

37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Liebe Gemeinde,

„Himmel und Erde werden vergehen“,so sagt Jesus Christus, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Nicht wahr, das wissen und erfahren wir alle: dass unsere Welt und unser Leben vergänglich sind, auf eine Ende zugehen. Wenn wir jetzt im Herbst draußen sind, sehen wir die Blätter zu Hunderten von den Bäumen fallen. Sie bleiben eine Zeitlang auf dem Boden liegen, dann vermodern sie oder werden weggekehrt: Ein Bild der Vergänglichkeit…

Es wird, so sagt Jesus, alles vergehen. Wie viele Völker und Reiche, wie viele große Herrscher haben in der Geschichte das Sagen gehabt, haben ungeheure Macht ausgeübt; und dann ist ihr Stern gesunken; aus und vorbei war‘ s mit ihrer Herrlichkeit! Große Männer wie Cäsar, Karl der Große, Napoleon (um nur einige zu nennen), die nur mit dem Finger schnippen mussten, und man tat, was sie wollten – auch sie sind vergangen, sie sind tot; das Rad der Geschichte ist über sie hinweg-gerollt. Die großen Herrscher heute in Ost und West – auch sie werden vergehen.

Und wenn wir auf uns selber blicken, dann entdecken wir an uns Zeichen der Vergänglichkeit. Die Falten nehmen zu, die grauen Haare; Krankheiten, Gebrechen bleiben nicht aus. Irgendwann, früher oder später, werden auch wir vergehen – fortgehen müssen von hier; der Tod wird unserem Leben ein Ende machen. Daran denken wir am heutigen „Totensonntag“, wie er im Volksmund genannt wird: an die Toten, die uns vorangegangen sind; und auch daran, dass es einmal bei uns so weit sein wird.

„Himmel und Erde werden vergehen“,sagt Jesus, und ihr Menschen vergeht mit ihnen. Doch wenn Jesus nur das sagen würde, den ersten Teil dieses Satzes – dann müssten wir ohne Hoffnung leben! Was hätte dann das Leben für einen Sinn? Höchstens den: dass wir  alles „raus-holen“ aus dem Leben, „denn morgen sind wir tot“, wie in der Bibel einmal zitiert wird. – Aber Jesus sagt mehr, er verspricht uns: „Meine Worte werden nicht vergehen!“- Darauf können wir uns verlassen. Denn der diese Worte spricht, der ist kein Toter, keine große Persönlichkeit, die im Grab geblieben ist, sondern der auferstandene, lebendige Herr Jesus Christus, der den Tod besiegt hat und heute erfahrbar ist mitten in unserem Leben.

Es geschah nach dem Zweiten Weltkrieg: In einem Lager von gefangenen deutschen Offizieren befand sich ein Neues Testament. Ein Gefangener hatte es durch alle Kontrollen gebracht. Und nun machten die Männer einen Plan für die ganze Woche von früh bis spät. Jeder durfte eine Stunde in dem Buch, im Neuen Testament, lesen. Dann stand immer schon der Nächste da und wollte es haben. Diese Männer, diese Offiziere wussten: Unsere ganze Macht, die Ideologie, der wir uns verschrieben, ist zusammengestürzt. Aber dieses angeblich veraltete Buch ist geblieben. Da stehen Lebensworte drin. Der Name des Herrn Jesus Christus leuchtete in die Not dieser Männer hinein, für die eine Welt zusammengebrochen war; seine Worte gaben ihnen neuen Mut.

Das ist auch für uns (alle) wichtig: aus den Worten des Herrn Jesus Christus zu leben; mit ihnen zu leben; mit ihnen zu leben und einmal zu sterben!

Wir haben doch viele Möglichkeiten: Die „Losungen“ der Herrnhuter Brüdergemeine, den Kalender mit der täglichen Bibellese; wir können uns mit anderen Christen über das Wort Gottes austauschen. Und wir könnenauch viele Angebote im Fernsehen und im Internet wahr-nehmen.

Ja, wer mit Jesus und Seinen Worten lebt, der bekommt die Gewissheit: Der Tod hat nicht das letzte Wort; vielmehr: das aller-letzte Wort hat Jesus Christus. Er wird auch mich durch sein machtvolles Wort auferwecken, und ich werde in Ewigkeit bei Gott sein, in der Gemeinschaft des Herrn Jesus Christus.

Das ist die große Hoffnung der Christen. Und ich glaube, darum beneiden uns viele Menschen. Das war auch die große Hoffnung, die die ersten Christen im Römischen Reich ausstrahlten: Es gibt eine Überwindung des Todes durch den, der auferstanden ist, der den Tod überwunden hat: Jesus.

Nun, wie das einmal genau sein wird in Gottes ewigem Reich, das wollen und müssen wir uns nicht ausmalen. Jesus sagt in unserem Abschnitt vielmehr: Bereitet euch jetzt schon darauf vor. Seid bereit, bleibt wach! „Wachet!“ Wir sollen uns einstellen auf die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus. Wir sollen mit Jesus bewusst leben, jeden Tag. Es geht um einen „wachen“ Glauben. Wenn eine ganz wichtige Sendung im Fernsehen mitten in der Nacht kommt, dann stehen wir auf und sehen sie uns an. Oder wenn ein wichtiger Anruf mitten in der Nacht an uns ergeht, dann bleiben wir auch nicht liegen.

Jesus ermutigt uns und fordert uns auf, zu wachen: in der ständigen Beziehung zu ihm zu bleiben!

Doch auch darauf will ich heute, am Ewigkeits- oder „Toten-sonntag“, zu sprechen kommen: Wir sollen uns einstellen auf das eigene Ende, uns vorbereiten auf den eigenen Tod.

Wir wissen nicht, ob wir die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus erleben werden. Aber wir können uns auf unseren eigenen Tod einstellen.

Früher hatte man die Bitte gegenüber Gott: „Bewahre uns vor einem schnellen Tod!“ Heute ist es umgekehrt: Man möchte möglichst schnell sterben, ohne lange Leidenszeit. Am besten sich abends ins Bett legen und morgens nicht mehr aufwachen.

Ich wünsche es ja keinem, dass er lange leiden muss, auch mir selber nicht. Aber: Es ist wichtig, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten.

Es ist so gut, rechtzeitig Sachen zu ordnen, Beziehungen zu Menschen zu klären und, wo nötig, zu bereinigen, sich zu versöhnen. Und es ist absolut notwendig, die Beziehung zu Gott zu ordnen!

So können wir zuversichtlich und voll Hoffnung unserem eigenen Tod entgegensehen und -gehen.

Ich will Ihnen erzählen von Mark Backhaus. Er ist Leiter der Heilsarmee in Leipzig. Im Oktober 2016 wurde bei ihm ein Tumor im Bauchraum diagnostiziert. Rund 70 Chemogaben hat er hinter sich. Die Metastasen haben sich vergrößert. Die Belastungen für den Körper durch eine erneute Chemotherapie findet der 50jährige nicht mehr hinnehmbar. Der Tod wird kommen. Er wird wohl an Leberversagen sterben. Doch er hat eine Entscheidung  getroffen, die ihm leicht gefallen ist. Denn es ist keine Entscheidung für einen endgültigen Tod, sondern für die Ewigkeit. „Ich nehme jeden Tag dankbar als Geschenk aus Gottes Hand – und freue mich auf eine Zukunft ohne Tränen und Schmerzen. Soli Deo gloria! (Allein Gott sei Ehre!)“

Wenn es die Tage und der Gesundheitszustand zulassen, bereitet Mark Backhaus seine Beerdigung vor. „Von mir aus könnten alle tanzen, denn für mich ist es ein Fest, in der Ewigkeit zu sein. Aber ich weiß, dass es für andere traurig ist, weil wir einfach auch bestimmte Dinge in unserem Leben verpassen werden. Wir werden keine Enkelkinder miteinander begrüßen können. Ich werde das Abitur meiner Söhne wahrscheinlich verpassen.“ Er hat Lieder vorgeschlagen. „Amazing Grace“ wird auf jeden Fall gespielt werden.

Mark Backhaus findet, man sollte sich auf die Ewigkeit vorbereiten. Das Wichtigste ist, eine Entscheidung für Jesus zu treffen, dann braucht man keine Angst zu haben. „Aber ganz nüchtern betrachtet: Man sollte ein Testament schreiben, um zu verhindern, dass die Angehörigen hinterher unter Dingen leiden, die nicht geregelt waren.“

(Quelle: idea-spektrum 46/2021, S. 24f.)

Liebe Gemeinde, hinein in unsere vergängliche Welt, in unser vergängliches Leben spricht Jesus seine ewigen Worte und lädt uns ein, mit ihm und seinem Kommen zu rechnen, mit seinem ewigen Reich: “Wachet“,seid ausgerichtet auf mich. – Denn es stimmt, was Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Amen.

Lied nach der Predigt: EG 376: So nimm denn meine Hände

Pfarrer Hans Weghorn, Neunkirchen am Sand