Predigt am Ostersonntag 17.04.2022

zu Johannes 20,19-23

19 Am Abend ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Liebe Gemeinde,

drei junge Männer stiegen eines Tages in ein Zugabteil. Sie lachten und waren sehr fröhlich. Sie konnten ihre übergroße Freude nicht verbergen. Sie hatten sich entschlossen, Jesus nachzufolgen, und kamen von einer Konferenz, auf der sie in ihrem Glauben bestärkt und neu motiviert worden waren.

Im Abteil saß eine Dame, die bissig bemerkte: „Sie scheinen ja besonders fröhlich zu sein!“ – „Raten Sie mal, warum!“ antwortete einer der drei. „Sie sind vielleicht ein wenig betrunken?“ – „Nein, das ist es nicht!“ – „Dann haben Sie wohl eine Fete gefeiert.“ – „Nein.“ – „Haben Sie vielleicht im Lotto gewonnen?“ – „Das ist es auch nicht!“ – „Ja, dann muss wohl einer von den Toten auferstanden sein!“ meinte die Dame gekränkt. „Ganz recht, das ist es!“ meinten die jungen Leute. „Dann war der Betreffende wohl nur scheintot!“ – Die drei lachten: „Nein, er war richtig tot. Aber nun lebt er und ist wahrhaftig auferstanden. Und darum haben wir eine so große Freude!“ – Erschrocken fragte die Dame zurück: „Davon habe ich ja gar nichts gehört! Wer war denn das?“ Da erzählten die drei jungen Männer ihr von Jesus, der für sie gestorben und auferstanden ist.Ja, liebe Gemeinde, darum feiern wir Ostern: weil wir einen lebendigen Gott haben; weil wir mit den Christen aller Zeiten bekennen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Und darum darf es fröhlich zugehen. Wir sind ja nicht bei einer „Totengedächtnis-Veranstaltung zu Feiern eines verstorbenen Vorsitzenden namens Jesus“, sondern feiern den lebendigen Herrn in unserer Mitte. So ist Ostern das Fest des Lebens und de Ermutigung.Das sehen wir auch an der wunderbaren Geschichte aus dem Johannes-Evangelium, in die wir uns mit hinein nehmen lassen als Gemeinde des Auferstandenen. Betrachten wir sie unter drei Punkten:

1. Der auferstandene Jesus gibt uns seinen Frieden

2. Der auferstandene Jesus gibt uns seinen Auftrag

3. Der auferstandene Jesus gibt uns seinen Heiligen Geist

1. Der auferstandene Jesus gibt uns seinen FriedenDie Jünger von Jesus hatten sich eingeschlossen „aus Furcht vor den Juden“. Denn Jesus war ja auf schmachvolle Weise getötet worden, hingerichtet am Kreuz wie ein Verbrecher. Aber eben hatten die Jünger auch die Nachricht von Maria Magdalena gehört, sie habe den Herrn gesehen und er habe zu ihr gesprochen. Da kamen gewaltige Zweifel bei den Jüngern auf. Dem, was eine Frau sagte, hat man damals nicht so leicht getraut. Wahrscheinlich war Maria Magdalena nur einer Halluzination erlegen. Denn wer tot ist, bleibt tot… Oder war doch etwas dran an dieser Botschaft vom lebendigen Jesus?

Ist das nicht vielleicht ein Bild für die Lage der christlichen Gemeinde auch bei uns in Deutschland? Haben wir uns vielleicht zurückgezogen, haben wir „die Türen abgeschlossen“ aus Furcht vor den Menschen, vor der „öffentlichen Meinung“? Der Einfluss des Christentums und der Kirche geht ja immer mehr zurück in unserem Land. – Kann es sein, dass wir als Christen gar nicht mehr die Erwartung haben, dass Menschen zum Glauben kommen und die Kirche, die Gemeinde als ihren Platz erkennen? – Es sind nicht immer Türen, die andere zumachen, „die da draußen“ sozusagen, sondern oft sind wir selber es, die sich abschotten.

Aber für unseren auferstandenen Herrn Jesus Christus ist das keine Schwierigkeit. Für ihn sind verschlossene Türen kein Hindernis, um seine Jünger zu erreichen. Er kann durch jede Tür – bei Ungläubigen wie bei seinen Jüngern! Plötzlich ist Jesus da, in ihrer Mitte. Er, den sie für tot hielten, er lebt. Er ist mit seinen Wunden an Händen und Füßen ganz der Alte. Und er ist ganz der Neue, den selbst verschlossene Türen nicht aufhalten können. Zwei Mal (!) sagt er zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ „Schalom“, der tiefe Frieden bei Gott. Das ist kein „Allerweltsgruß“, sondern in diesen Worten des Auferstandenen steckt Kraft. Die Gegenwart von Jesus verändert. Der auferstandene Jesus gibt uns seine Gegenwart, gibt seinen Frieden mutlos gewordenen Leuten! Ich gebe euch meinen Frieden, d.h. ja auch: Nichts steht mehr zwischen mir und euch. – Die Jünger hatten doch versagt auf der ganzen Linie. Sie hatten Jesus, als er gefangen genommen wurde, verlassen, Petrus hatte ihn drei Mal verleugnet. – Doch nun ist alles ausgelöscht, vergeben. Jesus macht ihnen keine Vorhaltungen, denn er weiß, dass sie von Herzen bereut haben. Ja, er zeigt auf seine Wunden, weil in ihnen die Vergebung besteht, in seinem Tod am Kreuz.Ist das nicht wunderbar? Jesus will auch uns seinen Frieden geben, uns neu ermutigen, wo wir resigniert sind, wo wir enttäuscht sind über uns selbst, auch als Kirchengemeinde, will uns Mut geben, nicht aufzugeben…

Kein Wunder, dass die Jünger froh wurden, „als sie den Herrn sahen“! Das war keine oberflächliche Freude, sondern eine Freude darüber, dass Jesus sie neu annahm und ihnen seinen Frieden schenkte; dass ihr Leben auf einen neuen Grund gestellt wurde – so wie es auch die drei jungen Männer aus unserer Anfangsgeschichte erfahren haben.

2. Der auferstandene Jesus gibt uns seinen Auftrag „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Der Friede und die Freude, die Jesus schenkt, sind nicht zum Verbleib in der Gemeinde allein bestimmt. Wir sind nicht die „Endverbraucher des Friedens Gottes“! Das ist ein Grundzug der Ostergeschichten. Das muss „nach draußen“! Jesus beteiligt seine Jünger an dem großen Auftrag; er beteiligt uns daran! Er sagt nicht: „Seid glücklich, aber lasst die Türen verschlos-sen!“ „Seid froh, aber behaltet die Freude für euch!“ Sondern er sagt: „Die Sendung Gottes geht weiter – nun mit euch. Ihr seid Briefträger der Hoffnung, Boten der Liebe Gottes, Überbringer der Osterfreude.“ Als Christen sind wir Gesandte des Auferstandenen in der Welt.

Die Zeitung einer süddeutschen Stadt brachte vor einigen Jahren die Meldung: „Ein Zusteller der Deutschen Post AG hat über längere Zeit Tausende von Sendungen in seinem Keller gehortet.“ Der Briefträger erklärte, er habe die Post zustellen wollen. Aber dann sei der Berg immer größer geworden. Dabei waren in der Post wichtige Schreiben, Bescheide, Mahnungen, Liebesbriefe. Viele Kunden warteten darauf. Erst durch Fangbriefe wurde das Lagern der Post entdeckt.Jesus will, dass seine Sendung in die Welt nicht liegen bleibt. Die Osterbotschaft, dass Jesus lebt, ist wichtig für die Welt. Sie soll nicht im Keller der Tradition oder im Verlies des Privaten versteckt werden. Der Liebesbrief Gottes, das Evangelium, gehört ausgeteilt. Darum sagt Jesus: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.

“Wir werden mit hinein genommen in die Sendung, die vom Vater ausgegangen ist, der den Sohn gesandt hat. Und nun sendet der Sohn seine Jünger, seine Gemeinde! Im israelitischen Denken gilt der Grundsatz: „Der Gesandte ist wie der Sendende.“ Was ist das doch für ein Vorrecht/Privileg! Ob wir nun „Oldies“ im Glauben sind oder „Frischlinge“, das ist egal. Wir sind beteiligt am großen Sendungsauftrag von Jesus! Wir sind unterwegs im Namen der höchsten Autorität, die es gibt! Wir dürfen etwas weitergeben von der Hoffnung, die durch Ostern in diese Welt gekommen ist.

Nehmen Sie doch heute beim Hinausgehen eine der kleinen Osterkerzen mit für sich. Und dann noch eine für einen Menschen, der ihnen am Herzen liegt, und bezeugen Sie ihm oder ihr: „Der Herr ist auferstanden!“ Und manchmal kommt es bei solchen Begegnungen auch zu tieferen Gesprächen. Da spricht sich jemand aus, seine Ängste, seine Sorgen, vielleicht kommen seine Versäumnisse und seine Schuld zur Sprache. Da können wir ihm oder ihr bezeugen: Es gibt einen, der dir das wegnehmen kann und will: Jesus! Er kann und will vergeben und einen Neuanfang geben. Und das kann er auch durch seine Leute, durch Christen, denn er sagt in unserem Text zu seinen Jüngern: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen.“ Jesus gibt seinen Leuten die Vollmacht, anderen in seinem Namen die Schuld zu vergeben; mit ihnen zu beten, ihnen die Vergebung persönlich zuzusprechen. Man muss nicht erst ein kirchliches Examen abgelegt haben, um im Namen Jesu diese Vollmacht ausüben zu dürfen. Jeder, der selber den Frieden und die Vergebung von Jesus erfahren hat, darf diesen Frieden und die Vergebung weitergeben! Das ist der Auftrag der Gemeinde des Auferstandenen.Vielleicht warten ja manche Menschen darauf, dass sie „das lösende Wort“, wie einmal jemand es bezeichnet hat, von uns hören. Seien wir sensibel für die Menschen – und für die Leitung durch Gottes Geist, der uns zu ihnen führen will.Damit bin ich schon bei

3. Der auferstandene Jesus gibt uns seinen Heiligen Geist.

Aber ist das nicht ein Auftrag, der unsere Kraft übersteigt? Ja, tatsäch-lich; wer kann denn das? Wir sind doch unzulänglich, fühlen uns oft schwach oder haben Angst, dass wir bei den Menschen nicht recht „ankommen“… Darum gibt Jesus seinen Jüngern und uns seinen Heiligen Geist: „Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!“ (Vers 22) Er bläst sie an mit dem Windhauch, dem Atem Gottes. Später wird es uns in der Apostelgeschichte erzählt, wie an Pfingsten der Heilige Geist wie ein Wind kommt und die Christen belebt. Im Johannesevangelium hier fallen Ostern, die Botschaft vom auferstandenen Jesus, und Pfingsten, das Kommen des Heiligen Geistes, sozusagen zusammen. Aber das Ergebnis ist das Gleiche: Der Heilige Geist schenkt die Begeisterung für Jesus!

1951 empfing der damalige Bundespräsident Theodor Heuss in Tübingen den theologischen Ehrendoktor. In seiner Rede sagte er: „Was wäre das Christentum ohne einen Schuss Enthusiasmus?“ – Das gibt Jesus seinen Jüngern hier. Der Heilige Geist macht die Fischer und Zöllner aus dem Vorderen Orient zu Söhnen Gottes, zu Boten ihres auferstandenen Herrn. Und er tut das Gleiche auch mit dir und mir und gibt uns Mut und Kraft, die frohe Botschaft von ihm, von Jesus, ohne Furcht weiterzugeben.Wie anders sollen wir den Menschen dienen – als in der Kraft des Heiligen Geistes? Strecken wir uns danach aus und rechnen wir mit der Kraft des auferstandenen Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde, lassen wir uns mit hinein nehmen in das Leben des auferstandenen Jesus Christus. Er ermutigt seine Gemeinde, dich und mich.

Denn

1. Er gibt uns seinen Frieden und erfüllt uns mit Freude.

2. Er gibt uns seinen Auftrag und sendet uns zu den Menschen.

3. Er gibt uns seinen Heilgen Geist.Amen.

Lied nach der Predigt: EG 100: Wir wollen alle fröhlich sein

Pfarrer Hans Weghorn,

Neunkirchen am Sand