Predigt am Sonntag 07.11.2021

Offenbarung 2,8-11

Predigt, Anita Schopper, Durchhalten lohnt sich, Neunkirchen a. Sand, 07.11.21


Liebe Gemeinde,
wer von uns kennt sie nicht, die schweren und finsteren Tage, wo Ängste, Einsamkeit, Trauer oder Hilflosigkeit uns plagen. Es gibt keinen erwachsenen Menschen, der nicht schon irgendwann mal in seinem Leben vor Problemen, Konflikten, Engpässen oder anderen schwierigen Herausforderungen gestanden hätte. Die Frage ist nur, wie gehe ich in solchen Situationen damit um? Wer kann helfen? Wie und wo bekommen wir Trost? Was gibt uns Hoffnung? Wer zeigt uns den Weg?
Wie schön ist es, wenn es Menschen gibt, die uns in schwierigen Zeiten zur Seite stehen, uns begleiten, zuhören, sowie uns ermutigende und tröstende Worte zusprechen. Was wirklich hilft sind Worte, die wahr sind. Sonderbare Sprüche und Floskeln, wie: ‚Kopf hoch‘ oder ‚Das wird schon wieder‘, ‚Ohren steif halten‘ oder ‚Sei froh, dass es nicht noch schlimmer ist‘, sowie: ‚Lass dich nicht hängen‘ oder ‚Denk an was Schönes‘, helfen nicht wirklich weiter. Ebenso gut gemeint, aber meiner Meinung nach vollkommen unsinnig finde ich die Aussage: „Ich drück dir die Daumen“. Als ob irgendein Daumen eine besondere
Fähigkeit besitzen würde! Sinnvoller und besser wäre zu sagen: „Ich wünsche dir alles Gute.“ Am besten finde ich jedoch, wenn jemand den Mut besitzt dem Nächsten mitzuteilen: „Weißt du was, ich bete für dich.“ Denn das Gebet eines Gerechten bewirkt viel, wenn es ernstlich ist (Jak. 5,16). Gebete richten sich an Gott, den Allmächtigen, der helfen kann. Ebenso stärkend und aufbauend finde ich Worte des Lebens, wie Jesus sie uns zusagt. Worte Gottes aus der Heiligen Schrift.

Als ich vor ein paar Jahren einmal eine, für mich sehr belastende Zeit durchlebte, hat meine Tochter mich mit einem Bibelvers überrascht. Sie weiß, dass mir Gottes Wort wichtig ist. Und so hat sie sich an den PC gesetzt und nach Mut machenden Bibelversen gesucht. Sie traf damit voll ins Schwarze. Denn sie hat einen wunderbaren Vers ausgewählt aus Josua 1, den Vers 9: Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nicht den Mut, denn ich der Herr, dein Gott bin mit dir, wohin du auch gehst. Damit hat sie mein Denken wieder auf den gerichtet, der über allem steht und alles im Griff hat: meinen Herrn und Gott!
Als die kleine christliche Gemeinde in Smyrna in Bedrängnis ist, erhält sie einen Brief. Die Stadt Smyrna liegt an der türkischen Westküste und wird heute Izmir genannt. Es ist in der Regierungszeit des Kaisers Domitian. Er herrschte von 80 bis 96 n. Chr. Er will von allen als „Herr und Gott“ angesprochen werden.
Die Christen jedoch verehren nur Gott Vater und Jesus, seinen Sohn als „Gott und Herrn“. Deswegen werden sie verfolgt. Auch die jüdische Gemeinde steht den Christen skeptisch gegenüber. Die Christen gelten als Sekte und werden von einigen Menschen, in Misskredit gebracht, indem Lügen über sie verbreitet werden.
Die Christen in Smyrna sind eine kleine, recht bescheidene Gemeinde. Etliche, die verfolgt wurden kamen ins Gefängnis! Einige sind sogar für ihren Glauben bereits gestorben. In dieser Zeit sitzt Johannes, ein Jünger Jesu und der Verfasser der Offenbarung, der uns auch als Seher bekannt ist, auf der Insel Patmos fest. Er ist dorthin verbannt worden und muss Sklavenarbeit verrichten. Doch Gott hat Großes mit Johannes vor. Er darf in seiner Verbannung den Himmel offen sehen. Er sieht göttliche Visionen, und der Herr fordert ihn auf: „Schreibe alles sorgfältig auf!“ Diese Bilder und Worte sollen den leidenden Christen zum Trost dienen.
An sieben Gemeinden schreibt er individuelle Briefe. Die zweite Gemeinde, die einen Brief bekommt, ist Smyrna. Hören wir gemeinsam dem Predigtwort aus dem 2. Kapitel der Offenbarung die Verse 8-11:
Dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe:
Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern sind die Versammlung des Satans. Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben! Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tod.
Das erste und wichtigste erfährt die Gemeinde gleich zu Beginn: Christus selbst spricht zu ihnen. Jesus, er ist es, der Anfang und Ende in seiner Hand hält! Er ist der Erste vor aller Zeit und der Letzte in Ewigkeit. Er ist der, der den Tod besiegt hat und nun wieder lebendig ist! Es ist Jesus selber, der diese Botschaft an die Gemeinde richtet! Er ist ihr Herr und Gott!
Fragen Sie sich auch manchmal: Wer kümmert sich denn eigentlich um mich? Wer kennt überhaupt meine Nöte? Wer hilft mir? Wer tröstet mich? Die gläubige Gemeinde in Smyrna erfährt: Christus selbst, ER spricht zu ihnen. ER kennt die Probleme, den großen Druck, die Bedrängnis und die Not, der sie ausgesetzt sind. Jesus spricht: ‚Ich kenne deine Traurigkeit und deine materielle Not. Ich weiß von den Verleumdungen und Lästerungen.‘ Jesus sieht die Anfechtungen und die Leiden der Gemeinde. Im Brief heißt es weiter: Fürchtet euch nicht! Obwohl es noch schlimmer kommen wird und die Prüfungen hart sind, und viele noch im Gefängnis landen werden, sollen sie wissen: Dieser Zeitraum ist genau begrenzt.
Gott beschränkt auch das Leiden! Alles ist in seinen Händen, selbst die Zeit! Die zehn Tage in unserem Predigtabschnitt stehen für einen kurzen, klar eingeschränkten Zeitraum. So ermutigt er die Gemeinde an ihrem Glauben festzuhalten! Sie soll treu sein und den Glauben an Jesus nicht aufgeben. Denn Jesus will ihnen ewiges Leben schenken.
Sei getreu bis in den Tod, dann werde ich dir die Krone des Lebens geben. Diese Ermutigung brauchten die Christen in Smyrna. Dieser Brief wurde sicherlich sorgfältig aufbewahrt und immer wieder gelesen, damit sie im Glauben durchhalten konnten.
Aus der Kirchengeschichte ist uns überliefert, dass einige Jahre später, nämlich im Jahre 155 der greise Bischof Polykarp von Smyrna hingerichtet wurde. Vor der Hinrichtung wurde er noch einmal aufgefordert, den Glauben an Christus abzuschwören. Er antwortete: „Schon 86 Jahre diene ich Jesus Christus und er hat mir nie ein Leid getan. Wie kann ich meinen König, der mich vom Tod erlöst hat, lästern?“ Polykarp wusste sich von Jesu Treue getragen und deshalb blieb er treu bei ihm. Er glaubte, dass sein Leben ein Ziel und einen Sinn hat. Er wusste, dass dieser Tod nicht der Schlusspunkt ist, sondern der Doppelpunkt für das ewige Leben bei Gott. Wer Jesus die Treue hält, der braucht auch das
Gericht nicht zu fürchten; denn Jesus wird sich zu ihm stellen. Christus ist dann nicht sein Richter, sondern sein Retter.
Wie mag es Christen in Nordkorea gehen, die diese Worte hören oder Christen in manchen muslimischen Ländern, wo sie immer noch verfolgt und ermordet werden? Was bedeutet es für diese Christen, treu zu sein bis in den Tod? Wir hier in Deutschland können das kaum ermessen. Doch auch uns kann dieser Brief zum Trost werden. Er sagt uns: Gott kennt mein Leben, er weiß um meine Probleme und steht mir bei in meiner Not. Er ermutigt mich durchzuhalten und treu zu sein. Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben.

Hier wird von einer Krone oder einem Siegeskranz gesprochen, wie ihn erfolgreiche Sportler erhielten, wenn sie den Wettkampf gewonnen haben. Es ist gut, dass wir nicht alleine in diesem Kampf stehen, sondern dass wir gemeinsam unterwegs sind und uns gegenseitig stärken und ermutigen können. So sollen und können wir auch für die beten und eintreten, die unter schwersten Bedingungen ihren Glauben leben müssen. Wir bitten Christus, unseren Herrn. ER möge in uns und unseren Glaubensgeschwistern Festigkeit und Zuversicht wirken durch den Heiligen Geist. So hilft uns Gott. Er gibt uns die Kraft!
Gottes Treue hält mein Leben. Christus hilft mir, treu zu sein, auch in schweren Zeiten. Gott trägt mich hindurch. Er hält mein Leben. Meine Zeit ist in seinen Händen. Und ich darf mich auf die Herrlichkeit Gottes, durch Christus, in Ewigkeit freuen. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.