Predigt an Christi Himmelfahrt 13.05.2021

über Epheser 1,20-23

Liebe Gemeinde!
Wer hat bei Ihnen zu Hause die „Macht“? 


Immerhin ist heute „Vatertag“; manche feiern das. Manche Väter werden sogar mit Geschenken bedacht – und ziehen in „normalen“, also Nicht-Corona-Zeiten, auch mal mit anderen Männern gemeinsam los.
Am Vatertag kann man mal die Frage stellen: Wer hat denn bei uns die Macht?
Da fällt einem der Witz ein: „Bei uns zu Hause entscheidet der Vater über alles Wichtige. Zum Beispiel über die Verträge mit China, über die Corona-Politik und die Auswirkungen des Klima-Gipfels. Alle anderen Entscheidungen trifft die Mutter.“
Doch Spaß beiseite: Wer hat bei uns die Macht? 
Hoffentlich ist sie auf eine gute und partnerschaftliche und familienförderliche Weise verteilt. Damit können alle am besten leben.
An Himmelfahrt, liebe Gemeinde, geht es nämlich um die Macht. 
Es geht nicht so sehr um eine „Auffahrt“ in den Himmel,  es geht auch nicht um einen fröhlichen Tag für die Väter  – es geht um die Macht!
Es geht um die Macht Gottes. Und: Welcher Macht wir uns aussetzen oder von welcher wir uns bestimmen lassen.

Dazu lese ich den Predigtabschnitt dieses Tages vor. Aus dem Epheserbrief ist der genommen, im 1. Kapitel:
20 Durch seine Kraft hat Gott Christus von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 
21 über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 

22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 

23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Jesus ist der Herr über alle – das ist die Botschaft unseres Abschnittes, das ist das Thema von Himmelfahrt. Das will uns Mut machen in einer Welt, die  meist ganz anders ausschaut, in der es so viele Herren gibt, Menschen und Systeme, die sich als Herren aufschwingen und denen man oft so hilflos ausgeliefert ist. „Die da oben“: Wer von uns kennt diesen Ausdruck nicht, hat ihn nicht schon als Stoßseufzer von sich gegeben? „Die da oben“ – die Vorgesetzten: in der Politik, in der Kirche, in der Wirtschaft, die Weltmächte.

Unser Text dagegen will sagen: „Der da oben“, nämlich Jesus, ist mächtiger, hat alles in seiner Hand; ihm können wir vertrauen, komme, was wolle.

1. Jesus ist Herr über alle menschlichen Mächte und Gewalten

Denken wir an alle mächtigen Reiche der Weltgeschichte! Damals, als der Epheser-brief geschrieben wurde, das Römische Reich – wie setzte man zeitweise den Christen zu, verfolgte sie; eben auch, weil sie den Anspruch stellten, dass Jesus der höchste Herr ist und nicht der Kaiser von Rom. Alle diese Reiche sind vergangen, haben oft einen gewaltigen Niedergang erlebt. Große und mächtige Herrscher mussten, wie wir alle, den Weg des Todes gehen: Alexander der Große; Cäsar, Napoleon, Lenin, Hitler, Stalin. Jesus dagegen ist auferstanden; er lebt! Auch das „1000jährige Reich“, das „Dritte Reich“, das ja auch antichristlich war, ist vergangen. Politische und militärische Systeme, die durch Diktatur und Unterdrückung die Menschen beherrschten, sind in sich zusammengefallen: Ideologien wie Kommunismus und Nationalsozialismus.

Es gibt eine Anekdote um den Geheimrat Dr. Duden, den Schöpfer der deutschen Rechtschreibung, und um den manchmal etwas eigenwilligen Kaiser Wilhelm II. Dr. Duden wollte bei einer Neuausgabe des „Duden“, des Rechtschreibbuches der deutschen Sprache, alle unnötigen „th“ zu einem gewöhnlichen „t“ vereinfachen. So wollte er auch am Wort „Thron“ das „h“ streichen. Als nun Wilhelm II. das Buch durchblätterte und diese Änderung entdeckte, soll er in beträchtliche Wut geraten sein. Er habe, so die Anekdote, mit roter Tinte an den Rand die Bemerkung geschrieben: „An meinem Thron wird nicht gerüttelt!“ So blieb also das „th“ stehen.

So empfindlich ist Christus nicht. Er muss nicht Angst um seinen Thron haben. Sein Reich hat Bestand. Diese Machtstellung hat ihm Gott gegeben, weil er vorher gehorsam war bis zum Tode. Sein Thron ist uneinnehmbar. Gott hat ihm alle Macht gegeben. Er ist im himmlischen Rat, dort, wo die letzten Entscheidungen fallen. An seinem Thron kann nicht gerüttelt werden.

Jesus ist der Herr auch über die Situation in unserem Land und in der EU, wo christ-liche Werte schon lange nicht mehr vorne dran sind; denken wir nur an Themen wie das werdende und das vergehende Leben. Wo man den Eindruck hat, es fehlt die geistige Leitung/Führung durch die Regierenden. Das alles kann und will uns letztlich Mut machen, nicht zu verzagen, sondern Jesus Christus zu bitten, dass noch einmal eine geistige Wende eintritt und Menschen sich noch einmal auf Gottes Wort und seine Gebote besinnen und ihr Leben dadurch bestimmen lassen.

2. Jesus ist der Herr über die zukünftige Welt

V. 20 und 21: „Durch seine Kraft hat Gott ihn, Christus, zum Herrscher eingesetzt über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.“

Die zukünftige und die jenseitige Welt, das ist alles, was sich unserer sicht-

baren Wirklichkeit noch entzieht. Dazu gehören auch Tod und Ewigkeit. Weil Gott Christus von den Toten auferweckt hat, darum ist Christus auch Herr über den Tod. In der Johannesoffenbarung sagt Jesus selbst das ganz klar: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,17-18) Das ist der Trost darüber, dass die Herrschaft Christi in unserer Welt so selten sichtbar und spürbar ist. Darüber, dass oftmals eben doch die Krankheit siegt, der Krebs oder auch die Bösen triumphieren. Und der eigentlich Mächtige nicht eingreift. Am Ende aber ist er doch der Herr – über Tod und Teufel. Darum müssen wir auch keine Angst vor der Macht Satans und vor anderen finsteren Mächten haben.

Luther und sein Freund Melanchthon befanden sich auf der Reise nach Wittenberg. Sie kamen an die Elbe, die Hochwasser führte. Der kleine Kahn, in dem sie übersetzen wollten, schwankte bedenklich auf den wilden, vom Sturm gepeitschten Wogen. Ein schweres Gewitter stand drohend am Himmel. Luther wollte beherzt in den Kahn springen. Aber der zaghafte und leider auch manchmal etwas abergläubische Melanchthon packte ihn am Arm, riss ihn zurück und rief: „Martin, Martin, steig nicht ein! Die Sterne sind gegen uns!« Darauf rief Luther zurück: »Domini sumus!“ Das war eine genial doppeldeutige Antwort! Denn es heißt lateinisch: 1. „Wir sind des Herrn.“ Und 2. „Wir sind Herren.“

Also: Wir sind des Herrn, wir gehören Christus! Er ist der Herr der Welt! Dieser und jener Welt! Und darum sind auch wir Herren! „Domini sumus“ – und sprang in den Kahn.

3. Jesus ist der Herr über die Gemeinde

V. 22: „Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles.“

Es gibt vieles, was uns auch in der Kirche und in der Gemeinde Sorgen machen kann! Wie wird es mit den Mitgliederzahlen weitergehen? Wie wird es mit den Finanzen weitergehen? Werden wir die Einheit in der Gemeinde bewahren, trotz so vieler unterschiedlicher Prägungen, Wünsche und Stile? Für mich ist es ein ganz großer Trost: Die Zukunft unserer Gemeinde liegt nicht am Pfarrer, liegt nicht an den Mitarbeitern oder an den Finanzen, sondern allein an Christus.

Er ist ja das Haupt der Gemeinde! Natürlich ist es auch unsere Aufgabe, ihn Haupt sein zu lassen. Bei allen Aktivitäten, bei aller Geselligkeit, bei allen Unternehmungen gilt immer der Blick auf ihn, auf das Haupt: »Hauptsache, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt!«, hat mal jemand treffend gesagt. Nämlich Christus im Zentrum. Sonst können wir den Laden dicht machen.

Dabei tut Jesus es nicht ohne uns. Paulus gebraucht das Bild vom Haupt und vom Leib: Jesus ist das Haupt: Er leitet, steuert, gibt Anweisungen. Die Verbindung mit ihm ist immer wieder wichtig: für den einzelnen, das einzelne Glied, aber auch für den ganzen Körper! Der Leib/Körper kann nicht ohne das Haupt, ohne Christus sein, sonst wird er „kopflos“.  – Aber auch das Haupt will nicht ohne den Leib sein! Christus will nicht ohne Seine Gemeinde sein in dieser Welt! Er bindet sich an Menschen: an schwache und unvollkommene. Er könnte es auch anders machen, „direkt“, aber das ist in der Regel nicht Sein Weg. Durch seine Gemeinde handelt er in dieser Welt; ja, sie ist seine „Fülle“; dadurch kommt er erst recht in Erscheinung; an der Gemeinde, an den Christen kann man sehen, wie Jesus Christus ist!

Ist das nicht ein gewaltige Würde, die die Gemeinde, der Leib Christi, hat?! Und zugleich Ansporn und Herausforderung für die Gemeinde, für jeden einzelnen Christen, die Verbindung mit Jesus mehr zu suchen, sich leiten zu lassen von Ihm, von Seinem Geist. Damit in dieser Welt er mehr zum Tragen kommt, damit seine Herrschaft von viel mehr Menschen erfahren wird – auch hier bei uns!

Liebe Gemeinde, wir wollen uns an diesem Himmelfahrt-Fest neu ermutigen lassen: nicht „die da oben“ üben die letzte Macht aus, sondern „der da oben“, nämlich Jesus, der auferstandene und erhöhte Herr. Er ist der Herr

  • über alle menschlichen Mächte und Gewalten
  • Er ist der Herr über die zukünftige Welt
  • Und er ist der Herr und das Haupt seiner Gemeinde, durch die er in dieser Welt seine Herrschaft voranbringen will. Amen.

Lied nach der Predigt:

Evang. Gesangbuch Nr. 123,1-3.6: Jesus Christus herrscht als König

Pfarrer Hans Weghorn, Neunkirchen am Sand

Die heutige Kollekte ist für die eigenen Gemeinde bestimmt:
Spendenkonto:
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